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18.01.2022

13.01.2022

Ungelegte Eier

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ungelegte Eier
Bild: pixabay [CCO]
"Was wäre, wenn...?" - diesen Gedanken haben sicherlich alle schon gehabt. Manche Menschen besucht er nur ab und zu kurz auf Stippvisite, andere sucht er mit großer Regelmäßigkeit und sehr hartnäckig heim. Zu welcher Sorte Mensch gehören Sie?

Nun, man ist doch gerne auf alle Eventualitäten vorbereitet und wägt daher schon im Vorfeld jedwede Möglichkeit genau ab. Außerdem hat man vorsichtshalber mehrere Ausweichrouten im Kopf und Alternativen, falls es doch nicht so funktioniert, wie gedacht. Man hat es halt gerne planbar und lebt häufig auch ganz gut damit.

Diese Lebenseinstellung hat viele Vorteile, kann man doch in der Regel schnell auf Situationen reagieren, steht parat, wenn Not am Mann ist und wird nur selten kalt erwischt. Allerdings hat es auch Nachteile, sich über Alles und Jeden Gedanken zu machen, bevor überhaupt der Fall der Fälle eintritt.

Über die sprichwörtlichen ungelegten Eier zu grübeln verbraucht eine Menge Energie. Sich Gedanken darüber zu machen, wie man ein Problem lösen könnte, das noch gar nicht existiert - und vielleicht auch gar nicht auftreten wird - verschwendet unsere Zeit, bindet unsere mentale Flexibilität und kostet Nerven. Nicht selten raubt uns das Grübeln unseren Schlaf, was auch nicht gerade dazu beiträgt, dass wir 100 Prozent unserer Möglichkeiten ausschöpfen können.

Hand aufs Herz: Wieviel Zeit haben Sie bislang damit verbracht, sich schon mal vorsichtshalber über Dinge aufzuregen, die dann doch nicht aufgetreten sind? Ganz frei machen davon kann sich sicherlich niemand. Schließlich gibt uns das Grübeln ja auch eine gewisse Sicherheit und reduziert unsere Angst - man ist eben vorbereitet.

Wie so oft im Leben macht auch hier die Dosis das Gift. Ganz ohne ungelegte Eier und vollkommen blauäugig durchs Leben zu gehen, kann genauso verhängnisvoll werden, wie stundenlanges Grübeln über besagte Eventualitäten. Letztendlich müssen wir die Dinge wahrscheinlich sowieso nehmen, wie sie kommen, ohne etwas ändern zu können.

Bemühen wir uns also, die ungelegten Eier zu weitgehend unbeachteten Eiern zu machen und halten es wie Catharina Elisabeth von Goethe, Mutter des wohl berühmtesten deutschen Dichters. Sie hatte bereits vor gut 200 Jahren eine ganz klare Meinung zu diesem Thema:

Das Grämen vor der Zeit halte ich für ein sehr unnützes Geschäft.
Catharina Elisabeth Goethe (1731-1808)

» Über Catharina Elisabeth Goethe

Autor: Anke Fähnrich


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