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04.12.2021

25.11.2021

Ein besonderes Datum für die Wissenschaft

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Einsteins Relativitätstheorie
Einsteins Relativitätstheorie (Pixabay [CCO])
Am 25. November 1915 präsentierte Albert Einstein seine Allgemeine Relativitätstheorie in Berlin zum ersten Mal der Öffentlichkeit. Da die Menschen in Europa wegen des gerade tobenden Ersten Weltkriegs gerade andere Sorgen hatten, fand die wahrscheinlich bahnbrechendste Präsentation der Wissenschaftsgeschichte zuerst gar nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdient gehabt hätte.

Und natürlich war die Medienlandschaft vor 106 Jahren natürlich auch noch eine ganz andere als heute, wo die ganze Welt wenige Minuten nach der Proklamation in der Wikipedia nachlesen kann, wer den Nobelpreis für Chemie erhalten hat und wofür.

Erst vier Jahre später, im Jahr 1919, konnte der britische Astronom Arthur Eddington einen ersten Beleg für die Relativitätstheorie liefern und damit war deren Siegeszug nicht mehr aufzuhalten: Die Position einiger Gestirne stimmte nicht mit seinen Berechnungen überein. Wenn er aber Einsteins Theorie anwendete, dass die Masse der Sonne einen Lichtstrahl effektiv abgelenkt hatte, konnte er die Positionen exakt berechnen. Theorie und Experiment waren im Einklang.

Seitdem gab es unzählige Belege für die Richtigkeit der Relativitätstheorie genauso wie es zahllose (vergebliche) Versuche gab, sie zu widerlegen und dieses Spiel wird sicher noch viele Jahre wiederholen. Aber genau das ist Wissenschaft: alles hinterfragen, experimentieren und versuchen, den aktuellen Wissenstand zu widerlegen, weil nur so Fortschritt möglich ist. Genauso wie Lavoisier einst die aufgrund der damaligen Erkenntnislage in vielen Punkten plausible Phlogiston-Theorie widerlegte und so die moderne Chemie erst möglich machte.

Einstein war aber nicht nur ein genialer Wissenschaftler, er hat uns auch viele Sinnsprüche hinterlassen, die aus meiner Sicht auch nach vielen Jahrzehnten sehr oft den Nagel auf den Kopf treffen. Daher ist es nur logisch, an diesem für die Wissenschaft wichtigen Jahrestag wieder tief in die Aphorismen-Kiste zu greifen und das folgende Zitat zu präsentieren:

Falls Gott die Welt erschaffen hat, dann war es offenbar nicht seine erste Sorge, uns ihr Verständnis leicht zu machen.
Albert Einstein (1879-1955)

Gerade die Relativitätstheorie ist ein Paradebeispiel dafür, denn ich würde behaupten, dass nur die wenigsten Menschen den Inhalt und die Bedeutung bis ins Detail verstehen. Da schließe ich mich gerne ein. Dafür haben die Physiker hier seit über 100 Jahren ein sehr weites, interessantes und anspruchsvolles Betätigungsfeld. Natürlich gibt auch in der Chemie trotz aller Fortschritte noch viele Bereiche, die wir bisher nur rudimentär verstehen, weil die ablaufenden Prozesse extrem kompliziert und vielschichtig sind. Ob das jetzt unsere Darmflora, die Funktion des menschlichen Gehirns oder die Entwicklung exakt auf Patienten zugeschnittener Medikamente ist. Neue Erkenntnisse können der Menschheit ganz neue andere Perspektiven eröffnen und genau das macht die Faszination von Wissenschaft aus.

Das Zitat hat noch eine andere Facette: Einstein selbst bezeichnete sich nicht als Atheist, als er von einem Rabbiner direkt gefragt wurde, ob er an Gott glaube. Er antwortete: "Das Problem ist für unseren begrenzten Geist zu gewaltig." Was so viel heißt, dass die Existenz Gottes aus seiner Sicht nicht wissenschaftlich bewiesen oder widerlegt werden kann. Er glaubte aber an die Existenz eines Schöpfers aller Gesetze und Ordnungen, nach denen unsere Welt und das Universum entstanden ist und weiterbesteht. Also ein zutiefst wissenschaftlicher Ansatz, um sich dieser Frage aller Fragen angemessen zu nähern.

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Autor: Dr. Torsten Beyer


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