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Das Online-Labormagazin
26.10.2021

29.09.2021

Google weiß (zu) viel ...

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Die 10 häufigsten Anfragen, sortiert nach abnehmender Suchhäufigkeit, die Internet-Nutzer in Deutschland im Jahr 2020 in die Google-Suchmaske eingetippt haben, lauten: Coronavirus, US Wahl, Wetter morgen, Wirecard, Biontech Aktie, Kobe Bryant, iPhone 12, Disney plus, PS5 und Joe Biden.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber mit einigen dieser Suchbegriffe kann ich gar nichts anfangen. Klar war, dass das Coronavirus an erster Stelle kommt, weil doch anfangs vieles unklar war und immer noch ist. Überrascht bin ich eigentlich nur, dass der Name "Donald Trump" nicht auftaucht, aber das wäre in der gleichen Liste für die USA wahrscheinlich anders. Und natürlich, dass im Land der Sparbücher nach der BioNTech-Aktie so oft gesucht wurde.

Im Jahr 2019 waren es noch ganz andere Begriffe: Rebecca, Notre Dame, Handball-WM, Karl Lagerfeld, Julen, Europawahl, Frauen WM, 30 Jahre Mauerfall, Thomas Cook und Greta Thunberg.

Auch hier musste ich erst googeln, was es mit Position 1 und 5 nochmal auf sich hatte, aber man vergisst solch schreckliche Kinderschicksale, die im Boulevard natürlich ständig gespielt werden, leider (zu) schnell. Generell sind die 10 meistgesuchten Begriffe eines Jahres ein Indiz für Themen, die die Menschen am meisten bewegt haben und ich schaue immer gerne in solche Auswertungen.

Google bietet übrigens ein kostenloses Online-Tool mit dem Namen "Google Trends", mit dem man tagesaktuelle Suchtrends aufzuspüren und dazu vielleicht passende Blog-Beiträge für seine Seite schreiben kann, die dann hoffentlich viel gesucht und auch gelesen werden. Diese Idee haben natürlich auch sehr viele andere Online-Marketer, aber Google Trends ist trotzdem ein sehr interessantes Tool, weil es auch thematische, zeitliche und regionale Filtermöglichkeiten bietet.

Corona Suche 2020
Zahl der Google-Suchen nach "Coronavirus" im ersten Halbjahr 2020. Das Maximum am 22.03.2020
fiel auf den ersten Tag des ersten Lockdown in Deutschland.


An Google werden übrigens pro Tag die unglaubliche Zahl von 6 Milliarden Suchanfragen gestellt. Das bedeutet, dass jeder Erdbewohner, der Zugang zum Internet hat, statistisch gesehen, täglich eine Suchanfrage stellt. Ich habe für einen Vortrag mal überschlagen, dass damit ungefähr Tonnen 1.500 CO2-Emissionen pro Tag verbunden sind, wenn man mit 0,25 g pro Suche rechnet. Wobei man dazusagen muss, dass Google seine Seite technisch schon sehr optimiert hat und entweder Ökostrom für seine Rechenzentren einsetzt oder Ausgleichszahlungen für Aufforstungsprogramme leistet.

Die dunkle Seite der Google-Recherche sind natürlich die Suche nach illegalen Dingen wie Anleitungen zum Waffen- und Bombenbau, Raubkopien von Filmen und Software und Kinderpornografie, um nur einige zu nennen. Man muss dabei immer wissen, dass Google alle Suchanfragen auswertet, speichert und für die Optimierung der eigenen Algorithmen verwendet. Eine Personalisierung der Daten ist nur im eingeloggten Zustand möglich, was auf einem Smartphone aber immer der Fall ist. Google verneint natürlich, solche Profile anzulegen, aber was machen Geheimdienste wie die NSA? Für jede Diktatur wären solche Daten existenzsichernd, weil unvorsichtige Gegner so einfach zu finden sind. Russland und China haben eigene Suchmaschinen mit höheren Marktanteilen als Google in den jeweiligen Ländern. Alle weiteren Überlegungen dazu sind natürlich reine Spekulation...

Sei es wie es ist: Constanze Kurz, die Sprecherin des Chaos Computer Clubs (CCC), der kürzlich sein 40-jähriges Jubiläum gefeiert hat, hat einmal treffend formuliert:

Zu niemandem ist man ehrlicher als zum Suchfeld von Google.
Constanze Kurz (*1974)

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Autor: Dr. Torsten Beyer


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