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Das Online-Labormagazin
24.07.2021

29.04.2021

CO2-Emissionen durch Internet - Sind Sie schon sensibilisiert?

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Website mit dem Carbon Calculator
Beispielhafte Analyse einer Webseite
mit dem Carbon Calculator
Genauso interessant wie die Ergebnisse unserer kürzlich veröffentlichten Studie zu CO2-Emissionen und Nutzerfreundlichkeit von Webseiten in der Analysentechnik-Branche sind auch die ersten Reaktionen darauf:

Einige sehr gut platzierte Unternehmen zeigten sich überrascht bis ungläubig darüber, dass sie so gut abgeschnitten haben. Andere, die weniger gut abgeschnitten haben, sind nicht erfreut und wissen aber gar nicht, was sie bzw. ihr Dienstleister falsch gemacht haben.

Und wiederum andere haben auf meine Mail mit ihrer Platzierung bisher gar nicht reagiert, weil die Studie zugegebenermaßen "harter Stoff" ist, der sich nicht jedem sofort erschließen wird. Denn geht hier um ein IT-Thema, und das schiebt man gerne in die IT-Abteilung oder an externe Dienstleister ab, die hoffentlich schon das Richtige tun werden.

Was ich vermisse ist ein grundlegendes Verständnis einiger Zusammenhänge, die eigentlich auch jedem Nicht-IT-ler klar sein sollten:

  • Ökostrom ist deutlich besser für die Ökobilanz und damit die resultierenden CO2-Emissionen als konventioneller Strom.
  • Weniger Stromverbrauch ist besser als höherer Stromverbrauch, sowohl für die eigene Stromrechnung am Monatsende als auch für die Umwelt.
  • Im Internet brauchen Bilder eine weitaus geringere Auflösung als für Druckvorlagen in Printmedien, um ein optisch gutes Ergebnis zu erzielen.

Wir greifen doch im Alltag alle lieber zu dem Kühlschrank mit dem Energielabel A, auch wenn der teurer ist. Im Internet gibt es dieses Bewusstsein und solche Label leider nur bei wenigen Nutzern und Unternehmen. Zusätzlich machen Daten-Flatrates gedankenlos, weil sich die Kosten außer bei volumenlimitierten Mobil-Flatrates nicht erhöhen, egal wie viele Daten man verschickt. Es gibt höchstens einen genervten Mailempfänger oder Webseitenbesucher, weil das Laden des PDF-Katalogs mit 100 MByte auf dem Smartphone oder der langsamen Verbindung sehr lange dauert oder gar nicht funktioniert.

Das ist jetzt ein Extrembeispiel denken Sie? Wir erleben das im Umgang mit unseren Kunden regelmäßig und optimieren alle Bilder als kostenlosen Service bevor sie online gehen. Weil es besser für die Umwelt und bald auch besser für das Ranking bei Google ist.

Heute hat mir ein Kunde ein neues Firmenlogo für eine Anzeige geschickt. Die 8,5 MegaByte große Datei enthielt eine dreifarbige Bilddatei im tiff-Format. Die Bildauflösung von 2435 x 831 Pixel erzeugte eine Dateigröße von 6,3 MegaByte. Nach unserer Optimierung erhielten wir ein Logo im gif-Format mit den Maßen 150 x 45 Pixel, das noch genau 2 KiloByte groß ist und qualitativ in der Ansicht auf der Webseite keinen Unterschied zur Ursprungsdatei zeigt Das bedeutet eine Verringerung des Datenvolumens um 99,8 Prozent! Auch die ursprüngliche tiff-Datei hätte man auf 150 KiloByte und damit um 96 Prozent im Datenvolumen reduzieren können, unter Beibehaltung der ursprünglichen Maße und ohne Qualitätsverlust.

Um eine Metapher zu bemühen: Der Kunde hat uns über eine Distanz von 1.000 Kilometern einen Dichtungsring für ein Abflussrohr mit einem Schwertransporter geschickt, in dem nur dieser eine Dichtungsring transportiert wurde. Warum: Weil er nicht darüber nachgedacht hat und die Kosten für den "Versand" im Internet sich ja in beiden Fällen nicht unterscheiden. Im realen Leben hätte er einen gepolsterten kleinen Briefumschlag genommen und diesen in die Post gegeben. Mit dem gleichen Resultat aber umweltfreundlicher und zu deutlich geringeren Kosten...

Solche Dinge passieren jeden Tag millionenfach, natürlich nicht immer in so krassem Ausmaß. Wenn man aber bedenkt, dass sich bei fehlender Optimierung solcher Daten in Newslettern oder auf Webseiten das Problem potenziert, kann man vielleicht verstehen, worauf ich hinaus möchte.

Derjenige, der solche Dateien in Agenturen oder IT-Abteilungen erstellt, sollte die nötige Qualifikation haben, sie zu optimieren. Wer sie "nur" verschickt, sollte sich nicht scheuen kritisch nachfragen, warum eine Datei so groß sein muss. Und die Empfänger solcher Daten sollten die Absender sachlich auf das Problem hinweisen. Damit ist viel gewonnen und der dadurch resultierende teils erheblich verringerte Stromverbrauch hilft uns beim Erreichen der vereinbarten Klimaziele. Kleinvieh macht in diesem Fall sehr viel Mist!

Bei der Suche nach einem passenden Zitat fiel mir Carl Friedrich Gauß mit dem hier auch schon zitierten Spruch ein: "Der Mangel an mathematischer Bildung gibt sich durch nichts so auffallend zu erkennen wie durch maßlose Schärfe im Zahlenrechnen." Ich würde diesen Spruch im 21. Jahrhundert für die mangelnde Sensibilität für den Datenversand im Internet frei nach Gauß folgendermaßen formulieren:

Der Mangel an Internet-Kompetenz gibt sich durch nichts so auffallend zu erkennen wie durch das gedankenlose Verbreiten überflüssiger Daten.
Torsten Beyer (*1968)

» Website Carbon Calculator

Autor: Dr. Torsten Beyer


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