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24.10.2021

14.01.2021

Kollektives Wissen - Wissen für Alle

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Wikipedia-Logo
Bild: Eukaryogurt [CC BY-SA]
Vor 20 Jahren, am 15. Januar 2001, ging eins der meistgeklickten Portale des WWW an den Start: Wikipedia. Ausgehend von der ein Jahr zuvor von Jimmy Wales und Larry Sanger gegründeten Online-Enzyklopädie Nupedia, und des WikiWikiWeb, das Ward Cunningham 1995 als Wissensverwaltungswerkzeug konzipiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hatte.

Im Unterschied zu Nupedia, deren Inhalte gründlich vorab geprüft wurden und ein kompliziertes Peer Review Verfahren durchlaufen mussten, konnten und sollten die Inhalte des WikiWikiWeb von den Besuchern nicht nur gelesen, sondern auch generiert und gegebenenfalls erweitert oder korrigiert werden.

Dem Vorteil der sorgsam geprüften, hochqualitativen Artikel von Nupedia stand ein ebenso großer Nachteil gegenüber: der hohe bürokratische Aufwand, der bis zur Veröffentlichung durchlaufen werden musste. Daher wuchs die Seite nur sehr langsam. Ziel des WikiWikiWeb war es dagegen, Wissen und Erfahrung schnell (hawaiianisch: wiki) und umfassend durch die kollektive Intelligenz Vieler zu sammeln und zu teilen.

Der Zusammenschluss beider Plattformen zum Wikipedia-Projekt war zunächst als Vorstufe für Nupedia Artikel geplant. Das Interesse der Nutzer und Autoren war aber so groß, dass sich das Projekt verselbstständigte und schließlich zur Beendigung von Nupedia führte. Wikipedia verstand sich nun als Plattform, die aus dem Elfenbeinturm der Wissenschaften herauskommen und das gesamte menschliche Wissen mit allen Menschen teilen wollte.

Das Grundprinzip

Gemäß dem Motto "Wissen ist Macht" versteht sich Wikipedia als "Demokratisches Wissen". Die Idee fußt auf unveränderlichen Grundprinzipien: die Inhalte müssen relevant sein, es muss ein neutraler Standpunkt vertreten werden, alle Inhalte müssen lizenzfrei sein und es darf keine persönlichen Angriffe geben.

Weltweit schreiben, redigieren und kontrollieren ehrenamtliche Autoren die unzähligen Wikipedia Einträge. Grundsätzlich kann jeder einen Eintrag verfassen oder bearbeiten. Da liegt es in der Natur der Sache, dass auch einiges an Schindluder getrieben wird. Artikel, die nur so zum Spaß oder aus Langeweile verfasst oder verändert werden, sind keine Seltenheit. Ebenso können Inhalte umgeschrieben werden, um einen Artikel zu Jemandes Nutzen oder Schaden zu manipulieren. Administratoren, die ebenso wie die Autoren ehrenamtlich für Wikipedia arbeiten, haben also viel zu tun, die Seiten zu kontrollieren oder zu löschen. Daher kann es eben passieren, dass grober Unfug auch für einen längeren Zeitraum online ist, bevor er entdeckt, gemeldet und wieder gelöscht wird.

Die Schwierigkeit, Relevanz und Neutralität der Einträge zu beurteilen

Viele Dinge liegen einfach im Auge des Betrachters und Einträge von Firmen oder politischen Parteien können nie 100-prozentig neutral sein. Werbung ist verboten, bezahlter Inhalt dagegen erlaubt, muss aber offengelegt werden, was wiederum schwer zu kontrollieren ist. Die Diskussion über die Relevanz einer Liste der wichtigsten deutschsprachigen Science-Fiction Autorinnen schaffte es sogar bis ins deutsche Fernsehen.

Quellenbelege sind für jeden Eintrag unabdingbar und dienen den Administratoren auch zur Qualitätskontrolle. Trotz allem ist es nicht leicht, die Balance zu finden zwischen der Qualität der Einträge auf der einen Seite und der Möglichkeit, dass Jeder Einträge generieren oder bearbeiten kann auf der anderen Seite.

Zu banal? Zu wissenschaftlich? Zu einseitig?

Mitbegründer Larry Sanger distanziert sich mittlerweile von Wikipedia, da ihm die Inhalte nicht mehr ausreichend wissenschaftlich belegt sind. Andere Nutzer werfen der Plattform vor, dass sie inzwischen genauso voreingenommen und ausgrenzend sei wie herkömmliche Enzyklopädien. Außerdem sei man weit davon entfernt, das Wissen der Menschheit zu vereinen, da der überwiegende Teil der Wikipedia-Aktivitäten in Mitteleuropa und Nordamerika stattfindet und hauptsächlich von weißen, mittelalten, männlichen und stark Computer-affinen Nutzern ausgeht.

An Wikipedia gibt es sicher viel zu kritisieren. Von Jimi Wales' Vision "Stell dir eine Welt vor, in der jeder Einzelne freien Zugang zu dem gesamten Wissen der Welt hat." ist man noch sehr weit entfernt. Man tut gut auch daran, schon Kinder und Jugendliche zu lehren, Wikipedia nicht als Non-plus-Ultra, sondern nur als Ausgangsbasis für Internet-Recherchen zu nutzen.

Trotz allem ist die Idee, die vor 20 Jahren ihren Anfang genommen hat, nach wie vor genial. Man sollte sich eben bei allem Lob und Kritik an Wikipedia das Zitat des englischen Sprachforschers Samuel Johnson im Hinterkopf behalten:

Lexika sind wie Uhren: Das schlechteste ist besser als gar keines und auch das beste kann nicht ganz korrekt sein.
Samuel Johnson (1709-1784)

» Doku "Das Wikipedia Versprechen"

» Podcast "20 Jahre Wikipedia - Wie verlässlich ist die Enzyklopädie?"

» Informationen zu Wikimedia Deutschland e.V.

Autor: Anke Fähnrich


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