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Das Online-Labormagazin
21.01.2021

07.01.2021

Klimaziel erreicht, aber niemand jubelt!


Polarbär ohne Eis
Polarbär ohne Eis (Pixabay [CCO])
"Deutschland übertrifft Klimaziel für 2020" konnte man in den vergangenen Tagen so oder ähnlich in vielen Medien lesen. Anfang 2020 schien es noch unmöglich zu sein, dass wir die im Pariser Klimaabkommen avisierten 40 Prozent Reduktion der CO2-Emissionen gegenüber dem Wert von 1990 erreichen können. Dank Corona wurden es sogar 42,3 Prozent wie die Denkfabrik "Agora Energiewende" abgeschätzt hat [1].

Insgesamt wurden 80 Millionen Tonnen weniger CO2 freigesetzt als im letzten Jahr, ohne die Pandemie wären es nur 25 Millionen Tonnen gewesen und damit nur eine Einsparung von 37,8 Prozent gegenüber 1990.

Drastischer Rückgang von Flugbewegungen und Kreuzfahrten, deutlich weniger Autoverkehr, Homeoffice, Homeschooling und Hybridunterricht, Videokonferenzen, abgesagte Messen, Tagungen und Schulungen, kaum Kulturveranstaltungen, Kurzarbeit und eine teilweise deutlich reduzierte Industrieproduktion haben uns dieses unerwartete Resultat beschert. Ein Grund zur Freude ist das sicher für die wenigsten und lauten Jubel konnte man selbst von Klimaaktivisten kaum hören.

Das eigentlich erschreckende an dieser Meldung ist, dass die drastischen Folgen der Corona-Krise in den letzten 9 Monaten nicht noch viel mehr Einsparungen gebracht haben. Um unsere Klimaziele einzuhalten, müssten wir dieses Leben eigentlich dauerhaft fortführen, was aber nicht im Entferntesten zumutbar erscheint.

Aber wie lassen sich unsere Klimaziele mit weniger drastischen Einschränkungen wenigstens ansatzweise erreichen? Natürlich mit deutlich mehr regenerativen Energien und dem Ausstieg aus der Kohle, aber das braucht alles Zeit - wir reden hier über Jahre bis Jahrzehnte. Genauso verhält es sich mit der Optimierung von Produktionsprozessen und besseren Recyclingverfahren.

Ohne Verzicht und Eigenverantwortung wird es sicher nicht gehen, auch wenn gerade das in einer freiheitlichen Demokratie am schwierigsten zu vermitteln ist. Dann bleiben uns Regulierungen, Verbote und Steuern wie die auf CO2, die der ein oder andere beim Tanken in diesem Jahr schon kennengelernt hat.

Daher bestehen wir diesen Test aktuell eher nicht! Wollen wir den autokratischen Systemen zugestehen, dass sie besser mit Pandemien umgehen können, weil Freiheitsrechte einfach komplett außer Kraft gesetzt werden und die Staatsführung bestimmt, was gemacht wird - auch wenn das in diesem Fall mehr dem eigenen Machterhalt als der eigentlichen Sache dient?

Bei alldem vergessen wir leicht, dass die Natur auch ein Wörtchen mitzureden hat. Klimawissenschaftler sprechen von einem "Kipppunkt" oder "Point of no Return", ab dem die Ökosysteme sich nicht mehr selbst regenerieren können und die Veränderungen irreversibel sind. Das gilt für jede Staatsform und damit auch für Diktaturen! Denn danach können wir alle Anstrengungen in Sachen Klimawandel einstellen, weil es zu spät ist. Ein kluger Kopf hat die Problematik in einem Satz auf den Punkt gebracht:

Um dem menschengemachten Klimawandel zu begegnen, braucht es einen klimagemachten Menschenwandel.
Mario Mohr (*1964)

» [1] Corona-Jahr 2020: Rekordrückgänge bei CO2-Emissionen und Kohleverstromung

Autor: Dr. Torsten Beyer


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