Header
Das Online-Labormagazin
15.10.2021

10.12.2020

Alternative Fakten sind keine!

Teilen:


Fake News
Pixabay ([CCO])
Propaganda und Desinformationen sind nichts Neues. Es gab sie schon vor 100 Jahren zur Zeit der Spanischen Grippe, die Nationalsozialisten haben sie perfektioniert und pervertiert. Auch im 21. Jahrhundert gehören sie zusammen mit fehlender Meinungsfreiheit zur Grundausstattung jeder funktionierenden Autokratie, von der es leider immer noch viel zu viele auf der Welt gibt.

Aber auch Demokratien sind heute zunehmend gefährdet, wie Donald Trump vom ersten Tag seiner Amtszeit ununterbrochen demonstriert hat. Obwohl auf Bildern eindeutig zu erkennen war, das weitaus weniger Menschen anwesend waren als bei der Amtseinführung von Barack Obama, sprach seine damalige Beraterin Kellyanne Conway von "alternativen Fakten", die ihr vorlägen und die das Gegenteil bestätigen würden. Völlig zu Recht wurde diese Formulierung zum Unwort des Jahres 2018 gekürt.

Bis dahin dachte ich immer, dass Fakten, Meinungsfreiheit und eine kritische Presse die besten Mittel gegen Desinformation und Propaganda wären, aber das gilt leider nicht mehr. Trump twittert seine eigenen Wahrheiten und jeder, der eine andere Position vertritt, muss sich als "Fake News" titulieren lassen.

Da passt es natürlich ins Bild, dass er das relativ eindeutige Ergebnis der Präsidentenwahl ständig durch Klagen zu diskreditieren versucht, weil es nicht in sein Weltbild und zu seinem Ego passt. Das erinnert einen zwangsläufig an Pippi Langstrumpf und ihren bekannten Satz "Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt!".

Auch wir erleben in der Corona-Pandemie, dass Fakten kaum noch eine Rolle spielen, was jeden Wissenschaftler natürlich besonders schmerzt. Allzu oft werden Vermutungen, Meinungen oder Wünsche von Lobbygruppen und selbsternannten Fachleuten in der Diskussion gleichwertig zu wissenschaftlichen Erkenntnissen betrachtet, was dann ein völlig falsches Bild zeichnet. In der Politik kommt noch dazu, dass Fakten, die nicht kompatibel mit dem Parteiprogramm sind oder die Zeit nach der nächsten Wahl betreffen, von den handelnden Personen generell als weniger wichtig eingestuft werden.

Wer wissenschaftlich zu COVID-19 forscht und seine Ergebnisse präsentiert oder bei Fachzeitschriften zur Veröffentlichung einreicht, wird erbarmungslos niedergebrüllt, wenn sie bestimmten Personengruppen nicht in den Kram passen. Daher äußern sich leider immer weniger Wissenschaftler öffentlich in Interviews und Talk Shows oder sind immer die gleichen. Das ist insgesamt eine beunruhigende Entwicklung, da jeder uneingeschränkt Gehör finden muss, der etwas Konstruktives zu einem Thema beizutragen hat.

Leider gibt es relativ wenige unbestrittene Fakten zu COVID-19, da das Virus in vielerlei Hinsicht anders als alle bisher bekannten ist. Daher zitiere ich hier drei bekannte Forscher aus der Praxis, anhand deren Aussagen sich eigentlich sehr genau ableiten lässt, wie das Virus eingedämmt und am Ende schneller besiegt werden kann:

  • "Wir klettern alle für vier Wochen auf den Baum. Und dann ist der Spuk vorbei."
    (Melanie Brinkmann, Virologin, 29.10.2020)
  • "Ohne unsere Treffen kann das Virus nicht überleben."
    (Dirk Brockmann, Physiker, 05.12.2020)
  • "Das Virus verbreitet sich exponentiell, wenn man es lässt."
    (Christan Drosten, Virologe, 08.12.2020)

Leider haben wir es in Deutschland bisher seit Anfang November nicht geschafft, dass die Bevölkerung diese Empfehlungen und Warnungen in ausreichendem Maße umsetzt, was uns ohne drastische Gegenmaßen bald zu sehr viel größeren Problemen führen wird. Das hat zahlreiche renommierte Wissenschaftler der unterschiedlichsten Fachdisziplinen veranlasst, auf der Basis aller bekannten Fakten eine Stellungnahme der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina zu unterschreiben, die viele konkrete Handlungsempfehlungen zur Beherrschung der Corona-Pandemie enthält. Es sind nur 4 Seiten, die in einer auch für Nichtwissenschaftler verständlichen Sprache formuliert sind.

Es wäre schön, wenn jeder Bürger das lesen und beherzigen würde. Denn die Hoffnung stirbt zuletzt. Oder wie es der britische Schriftsteller Aldous Huxley , der am Tag des Attentats auf John F. Kennedy starb, messerscharf formuliert hat:

Fakten hören nicht auf zu existieren, weil sie ignoriert werden.
Aldous Huxley (1894-1963)

» Coronavirus-Pandemie: Die Feiertage und den Jahreswechsel für einen harten Lockdown nutzen

» mehr über Aldous Huxley

Autor: Dr. Torsten Beyer


» Kommentieren