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Das Online-Labormagazin
26.11.2020

19.11.2020

Wie lange denn noch?


Abwarten
Bild: PxHere [CCO]
Dieser Satz gehört zum Standardrepertoire jedes Einzelnen. In unterschiedlichen Variationen wird er für alle Situationen angewandt, die uns Geduld abverlangen. Ob es sich dabei um quengelnde Kinder auf dem Rücksitz des Autos handelt, die es nicht erwarten können, endlich an das Ausflugsziel zu gelangen oder um das eigene Anstehen im Vorraum einer städtischen Behörde: Das Warten wird umso unerträglicher, je weniger man es selbst in der Hand hat, die Wartezeit zu verkürzen.

Geduld gilt als Kerntugend und wichtiger Soft Skill in der Berufswelt. Geduld zu lehren und zu lernen füllt daher zahlreiche Ratgeber und die Kassen von Karriere-Coaches. Derzeit ist Geduld aber noch gefragter, denn je.

Gesellschaftliches Leben auf Sparflamme

Einschränkungen sozialer Kontakte und der Grundrechte verursacht durch ein Virus. Eine winzige organische Struktur, die nicht einmal einen eigenen Stoffwechsel besitzt, sondern nur mit Hilfe einer geeigneten Wirtszelle überlebensfähig ist. Auch wenn Wissenschaftler mit Hochdruck an seiner Bekämpfung arbeiten, liegt es derzeit außerhalb unserer Macht, etwas an der aktuellen Lage zu ändern. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als Geduld zu üben und abzuwarten, dass die Pandemie besiegt oder zumindest beherrschbar wird.

Die meisten haben doch ihr Bestes getan, um eine Weiterverbreitung zu verhindern. Hygienekonzepte entwickelt, Kontakte eingeschränkt und brav ihre Masken getragen, wo immer es vorgeschrieben oder angebracht ist. Und nur, weil ein Haufen Unbelehrbare es besser wissen oder wissen wollen, geht jetzt alles so weiter wie im Frühjahr? Hört das denn gar nicht mehr auf? Es gibt sicher niemanden, der nicht wieder zum gewohnten Alltag zurückkehren möchte statt sich an eine "neue Normalität" zu gewöhnen und das so schnell wie möglich. Man fühlt sich zurückversetzt auf die Rückbank des Familienwagens, während der endlos scheinenden Fahrt in den Sommerurlaub: "Wie lange dauert's denn noch?"

Passend dazu gibt es ein Zitat, das dem in Kanada geborenen Chemiker Orlando A. Battista zugeschrieben wird. Aus armen Verhältnissen kommend, machte er sich einen Namen in der medizinischen Anwendung von mikrokristallinem Kollagen und gründete im späteren Leben ein Forschungsinstitut, um Produktinnovationen zu fördern.

Geduld ist nie wichtiger, als wenn man kurz davor steht, sie zu verlieren.
Orlando A. Battista (1917-1995)
Jetzt Geduld zu üben heißt aber nicht, dass wir in dieser Situation untätig sein müssen. Auch wenn oder gerade weil uns die zweite Welle der Pandemie persönlich noch mehr abverlangt und die "Einschläge" näher kommen, sollten wir uns an die geforderten Einschränkungen halten. Dank Videotelefonie und ruhigem Herbstwetter können wir - mit gebührendem Abstand - persönlichen Kontakt mit den uns wichtigen Menschen pflegen. Das Lieblingsrestaurant kann man unterstützen, indem man den Abholservice oder Lieferdienst nutzt, den die meisten Lokale eingerichtet haben, seinen Sportverein oder Fitnessclub durch das Weiterzahlen der Mitgliedbeiträge. Auch Kulturveranstaltungen bieten teilweise Online-Alternativen. Vielleicht kann man sogar darüber nachdenken, ein gespartes Eintrittsgeld an das Museum oder Theater zu spenden.

Das ist sicher im Einzelfall nur ein Tropfen auf den heißen Stein und nicht für jeden und alles möglich. Aber Kleinvieh macht ja bekanntlich auch Mist. Es ist auf jeden Fall sinnvoller, im Kleinen zu wirken, als auf Großdemos zu lamentieren, dort Abstands- und Maskengebote zu verletzen, damit sich und andere in Gefahr zu bringen und die Dauer der Pandemie wahrscheinlich unnötig zu verlängern.

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Autor: Anke Fähnrich


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