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22.10.2020

30.09.2020

Mikroplastik ist überall


Ende September 2020 hat der Bundestag ein Verbot von Einweg-Plastik ab Sommer 2021 auf den Weg gebracht und setzt damit eine EU-Vorgabe um. To-go-Becher, Einweg-Geschirr, Fast-Food Verpackungen, Trinkhalme, Rühr- und Wattestäbchen aus Plastik sollen zum Schutz der Meere und der Umwelt verboten werden. Das klingt gut, kann aber nur der Anfang eines Umdenkens sein, denn beispielsweise Kosmetikprodukte, Waschmaschinen und Zigarettenkippen verschmutzen weiter die Umwelt mit Mikroplastik. Manche überflüssige Zusatzstoffe in Kosmetikprodukten könnten sicher verboten und Partikelfilter in Waschmaschinen würden auch viele Plastikfasern zurückhalten. Aber das kostet in der Umsetzung alles Zeit, die wir eigentlich nicht mehr haben!

Das größte Problem ist unsere Wegwerfkultur, denn erst wenn Plastikabfälle einfach arglos in der Natur entsorgt werden, entstehen langfristig durch Zersetzungsprozesse die berüchtigten Mikropartikel, die bereits in der Nahrungskette angekommen sind und alle Lebewesen auf der Erde bedrohen.

Folgen der Wegwerfgesellschaft (Quelle: Pixabay )
Die Folgen der Wegwerfgesellschaft (Quelle: Pixabay [CCO])

Wenn man an einer deutschen Landstraße oder Autobahn entlang fährt, könnte man beim Anblick des ganzen Mülls, der aus fahrenden Autos geworfen wird, explodieren. Auf öffentlichen Plätzen und Parkanlagen geht es einem genauso. Große Müllsammelaktionen, die in immer mehr Regionen regelmäßig stattfinden, können hier leider nur teilweise Abhilfe schaffen, denn es ist einfach zu viel Müll, und Aufsammeln kann man nur die sichtbaren größeren Plastikteile. Ist es erst mal verrottet oder nicht mehr sichtbar in Gewässern oder unter der Erde, wird es sich langsam zersetzen und als tickende Zeitbombe als Mikroplastik in Jahren oder Jahrzehnten für unabsehbare Probleme sorgen.

Das gleiche gilt für Zigarettenkippen, die überall - auch im entlegensten Wald - herumliegen, wenn dort irgendwo eine Bank zum Rasten einlädt. Von den jährlich gerauchten 5,6 Billionen Zigaretten landen schätzungsweise zwei Drittel irgendwo in der Natur, da zu viele Raucher einfach uneinsichtig sind und ihre Kippen nicht im Hausmüll entsorgen, wo sie hingehören.

Da man Filterzigaretten kaum verbieten kann, wären die von der Tabakindustrie aktuell stark beworbenen E-Zigaretten und Tabakerhitzer eine Lösung für dieses Problem. Sie verschaffen Rauchern das lebensnotwendige Nikotin - vielleicht sogar mit etwas weniger Schadstoffen - wobei hier aber viel Forschungsarbeit geleistet werden muss. Nichtraucher würden nicht mehr durch den stinkenden und gesundheitsschädlichen Qualm belästigt. Und die Natur könnte sich über Billionen weniger weggeworfener Zigarettenkippen freuen, die neben vielen Schadstoffen auch Mikroplastik beinhalten. Man könnte hier glatt von einer Win-Win-Win-Situation sprechen!

Wenn nicht ein Umdenken jedes einzelnen einsetzt, dass man Plastik nicht achtlos wegwirft und am besten auf Alternativen ausweicht oder solche Produkte meidet, wird die düstere Prognose des Malers und Aphoristikers Helmut Glaßl bald traurige Realität. Es gibt ja heute schon aufwändige Versuche, Plastikabfälle mit Spezialschiffen aus dem Meer zu entfernen. Aber soweit hätte es gar nicht kommen müssen und dürfen!

Die Weltmeere bergen ungeahnte Schätze. Neben Öl und Gas wird neuerdings auch Plastik gewonnen.
Helmut Glaßl (*1950)

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Autor: Dr. Torsten Beyer


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