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Das Online-Labormagazin
25.09.2020

10.09.2020

Was ich (nicht wirklich) weiß....


Gerüchtekücke
Bild: pixabay [CCO]
Eigentlich haben wir es ja leicht: Alles, was uns interessiert und was wir wissen möchten, können wir mal eben schnell "googlen". Die Zeiten, in denen man zeitaufwändig im Lexikon nachschlagen oder in der Bibliothek recherchieren musste, sind lange vorbei.

Viele Informationen bekommt man auch unaufgefordert, vorselektiert nach tatsächlich vorhandenen oder von Algorithmen errechneten Vorlieben. - Wir leben heute in der viel zitierten Informationsgesellschaft; Informations- und Kommunikationstechnologien durchdringen alle Lebensbereiche.

Leider geht die Quantität der Informationsquellen nicht mit entsprechender garantierter Qualität derselben einher. Ungeprüfte und/oder falsche Informationen verbreiten sich genauso schnell oder schneller als fundierte, gut recherchierte und wissenschaftlich belegte. Sogenannte Filterblasen oder Echokammern erschweren eine objektive und zuverlässige Informationsrecherche zusätzlich.

Diese Problematik spielt denjenigen in die Hände, die (Des)Information für ihre persönlichen Zwecke (miss)brauchen. Bereits in der Vergangenheit gab es Beispiele für die Verbreitung von Halb- oder Unwahrheiten, aber in Zeiten von Twitter & Co. und Social Bots gelingt deren Verbreitung deutlich schneller und auch nachhaltiger - das Netz vergisst bekanntlich nichts.

Der größte Feind des Wissens ist nicht das Nichtwissen, sondern das Halbwissen.
Enrico Fermi (1901-1954)

wird der Kernphysiker Enrico Fermi zitiert. Ich würde dieses Zitat umformulieren in "..., sondern die Verbreitung von Halbwissen." Auswendig gelernte Sachverhalte werden ohne die zugehörigen Hintergrundinformationen verbreitet oder bewusst so verkürzt, dass die Kernaussage von Fakten verdreht wird. Zusammenhänge werden nicht wirklich verstanden oder hinterfragt, aber mit reißerischen Beispielen als Aufhänger großflächig verbreitet.

Es ist berechtigt, sich in Zeiten von Veränderung oder Krisen Sorgen zu machen - in der "Corona-Krise" genauso, wie 2015 während des Ansturms unzähliger Flüchtender auf West-Europa. Trotzdem dürfen wir uns nicht dazu verleiten lassen, angebliche "Nachrichten" ohne Faktenchecks weiterzutragen. Es ist unsere Pflicht, genau zu überlegen, ob wir unserem Impuls nachgeben Halbwissen wirklich ungeprüft weiterzuverbreiten und uns so - unabsichtlich oder wissentlich - zu Handlangern derer machen, die von der oft populistischen und demokratiefeindlichen Mund-zu-Mund-Propaganda profitieren.

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Autor: Anke Fähnrich


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