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28.09.2020

13.08.2020

Die Krux mit der Rechtschreibung


Neue Deutsche Sprachlehre von Theodor Paul (1911)
Neue Deutsche Sprachlehre
Theodor Paul (1911) [CCO]
Dass der Dativ dem Genitiv sein Tod ist, wissen wir schon seit dem Jahr 2004 durch die Veröffentlichung des gleichnamigen Buches von Bastian Sick, ehemaliger Kolumnenschreiber bei Spiegel online. Andere Stilblüten der deutschen Rechtschreibung und Grammatik verfolgen uns weniger regelmäßig, aber genauso nachhaltig.

Vielleicht liegt es daran, dass ich mich beruflich viel mit deutscher Rechtschreibung auseinandersetzten muss, vielleicht bin ich als Mutter zweier (ehemaliger) Schulkinder auch von dieser Seite her gebrieft worden. Fakt ist, dass ich Rechtschreibfehler nur sehr schwer ertragen und noch schwerer darüber hinwegsehen kann.

Besonders in der Kommunikation innerhalb sozialer Netzwerke oder Messenger-Dienste komme ich oft an die Grenzen meiner nervlichen und seelischen Belastbarkeit und das nicht nur, weil viele Zeitgenossen jeglichen Alters komplett auf Groß- und Kleinschreibung verzichten. Denn nicht immer erschließt sich aus deren Mitteilungen, ob davon die Rede ist, dass "die spinnen" oder ob es um "die Spinnen" geht.

Wie man das/dass verwendet, wird in der Grundschulzeit recht ausführlich besprochen. Und dass man das "daß" gar nicht mehr verwendet, ist mittlerweile auch den Allermeisten klar. - Im Übrigen ist die ss/ß-Regel eine der wenigen ganz klar und einfach nachzuvollziehenden Ergebnisse der Rechtschreibreform von 1996, bei der (fast) nur Fremdwörter Ausnahmen bilden - leider wird sie aber noch immer nicht zu meiner vollen Zufriedenheit angewandt.

Ein weiterer allseits beliebter Fehler, ist das apostrophierte S. Da im englischen Sprachgebrauch ein besitzanzeigendes S mit einem Hochkomma abgetrennt wird und Anglizismen sehr beliebt sind, wird auch in unseren Breitengeraden gerne beispielsweise "Tanja's Schuhladen" beworben. Nicht weiter schlimm, aber angemerkt sei: korrekt wäre "Tanjas Schuhladen". Bei "Dennis' Schuhladen" dagegen ist das Hochkomma sogar Pflicht, weil es hier den Genitiv verdeutlicht. Den gedanklichen Korrekturstift habe ich aber sofort gezückt, wenn beispielsweise Leckere's zum Kaffee angeboten wird, oder es verschiedene Tee's zur Auswahl gibt.

Schwierigkeiten bereitet auch die Anwendung von "seid" und "seit", zumal hier die Rechtschreibprüfung gehässiger Weise auch keine Hilfe anbietet. Obwohl beide Wörter nicht das Geringste miteinander zu tun haben, finden sie in unerträglicher Beliebigkeit Anwendung. Dieses Problems hat sich freundlicherweise die Satirezeitung Postillon schon vor geraumer Zeit angenommen und einen Vorschlag zur Verwendung des Wortes "seidt" angeboten.

Relativ neu, aber für mich ebenso Puls erhöhend, ist der Verlust der Endsilbe beim unbestimmten Artikel. "Kannst du mir mal ein Platz freihalten?", ist in der Unterhaltung mittlerweile ja ganz normal, aber geschrieben ruft es bei mir echte Schnappatmung hervor. "Akkusativ! EinEN!" möchte ich dem Schreibenden am liebsten antworten.

Dem auf dieser Seite schon öfter zitierten Chemiker Lichtenberg ging es bezüglich der Rechtschreibung wohl ähnlich wie mir, denn er hat dazu in eines seiner Sudelbücher geschrieben:

Der eine hat eine falsche Rechtschreibung und der andere eine rechte Falschschreibung.
Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799)

In diesem Sinne bitte ich bereits im Vorfeld darum, meine in diesem Text ziemlich dick aufgetragene Besserwisserei sowie etwaige Rechtschreib- oder Grammatikfehler in diesem und allen anderen meiner Blogbeiträge zu entschuldigen und bekenne mich vorsichtshalber schon mal dazu, dass ich es mit der Verteilung von Kommas nicht ganz so eng sehe, weil ich hier selbst ebenfalls des Öfteren nachschlagen muss.

» Buchtipp: "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod"

» Crashkurs: In 22 Schritten zur neuen Rechtschreibung

Autor: Anke Fähnrich


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