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Das Online-Labormagazin
27.11.2020

24.06.2020

Schlechte Software nervt!


Programmcode
Pixabay [CCO]
Es gibt niemanden, der sich nicht mehr oder weniger regelmäßig über schlechte Software ärgert, die ihn Zeit und Nerven kostet. Zugegebenermaßen ist es ist eine echte Herausforderung, eine fehlerfreie und intuitiv nutzbare Software zu entwickeln, die von unterschiedlich vorgebildeten Anwendern verstanden und ohne Probleme genutzt werden kann.

Eine gute Software ist dabei wie ein gutes Alltagsgerät: man braucht keine Bedienungsanleitung, um sie zu nutzen. Nur für spezielle Anwendungen und zur Optimierung der Konfiguration muss man in die Anleitung schauen.

Die Realität sieht oft anders aus. Ein modernes Smart-TV-Gerät an eine Satellitenschüssel anzuschließen und zu konfigurieren, ist in der Regel Profis vorbehalten, die sich das natürlich entsprechend bezahlen lassen. Alternativ googelt man stundenlang oder sieht sich bei YouTube Erklär-Videos an und bekommt es dann vielleicht auch irgendwie selbst hin. Und später ärgert man sich dann täglich über die komplizierte Bedienung und diverse Macken in der Software, die möglicherweise vielleicht irgendwann durch ein Update behoben werden - oder auch nicht. Mir würden spontan viele weitere Beispiele auch im beruflichen Umfeld einfallen, wobei ich mich frage, warum das nicht besser geht.

Ein zentrales Problem bei der Software-Entwicklung ist meines Erachtens immer noch die unzureichende Einbeziehung des Nutzers. Ein Entwickler weiß natürlich, wie eine Software bedient wird, die er selbst geschrieben hat. Der Hersteller und dessen Vertriebsmitarbeiter wissen das in der Regel auch, aber was ist mit dem Anwender, der eigentlich die entscheidende Schnittstelle ist? Er muss die Software anwenden und für ihn muss sie entwickelt werden!

In den Anfangsjahren meiner selbständigen Tätigkeit habe ich einen Software-Entwickler auf ein Problem bei der Bedienung einer Datenbankschnittstelle hingewiesen. Er war darüber relativ pikiert und sagte: "Wenn ein Anwender meine Software nicht versteht, dann ist er doof. Ich finde sie perfekt und daher werde ich sie nicht ändern." Eine gewisse Arroganz - wenn auch nicht in einer solchen Ausprägung - ist leider auch heute noch viel zu oft anzutreffen.

Ich habe daher in letzter Zeit mehrere Dienstleister mit einer solchen Grundeinstellung durch solche ersetzt, die den Anwender und dessen Zufriedenheit mit der Software in den Mittelpunkt ihrer Tätigkeit stellen. Dank Cloud- und SaaS-Lösungen (SaaS = Software as a Service) eröffnen sich heute ganz andere Möglichkeiten, da der Anwender einen Dienst nutzen kann, ohne sich um die Installation einer Software und deren Updates kümmern zu müssen. Sollte es zu Problemen kommen, kann er jederzeit mit dem Anbieter chatten.

Das bringt so manch etablierten Software-Anbieter inzwischen in arge Bedrängnis, sowohl was seinen Kundenservice angeht, als auch die oft überholten und überteuerten Preismodelle (Stichwort: kostenpflichtige Hotline). Weer seine Kunden nur noch halten kann, weil ein Anbieterwechsel zu aufwändig oder gar nicht möglich ist oder entsprechende Export-Schnittstellen nicht zur Verfügung gestellt werden, der hat mittelfristig ein echtes Problem!

Der finnische Informatiker und Software-Entwickler Linus Torwalds, der als treibende Kraft und Namensgeber für das alternative Betriebssystem Linux gilt, ist für seine markigen Kommentare und Zitate bekannt. Er hat das Problem einmal sehr schön und provokativ formuliert:

Wenn du dir die Anwender deiner Programme als Idioten vorstellst, werden auch nur Idioten deine Programme verwenden.
Linus Torvalds (*1969)

» Mehr über Linus Torwalds

Autor: Dr. Torsten Beyer


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