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Das Online-Labormagazin
30.10.2020

20.05.2020

Was unterscheidet Biologie, Chemie, Physik und Mathematik?


MINT-Fächer
Pixabay [CCO]
Jeder kommt im Laufe seines Lebens mit den vier grundlegenden Naturwissenschaften Biologie, Chemie, Mathematik und Physik in Berührung - zumindest in der Schule, viele auch später im Berufsleben.

Ich habe sie hier bewusst alphabetisch sortiert, um keine Bewertung der Wichtigkeit vorzunehmen. Wenn man jemanden fragt, der eines der vier Fächer studiert hat, wird er sein Fach natürlich als das Bedeutendste ansehen, das geht mir als Chemiker nicht anders.

Über die vielen kleinen Sticheleien zwischen den Disziplinen gibt es ja einige nette Zitate von Georg Christoph Lichtenberg, Fritz Haber, Robert Wilhelm Bunsen oder David Hilbert, die wir hier schon vorgestellt haben.

Fragt man nach exakten Definitionen oder versucht eine Abgrenzung zwischen den vier Fächern vorzunehmen, so ist das relativ schwierig bis unmöglich, weil die Grenzen fließend sind. Das Zauberwort, das auch ein Türöffner in Vorstellungsgesprächen ist, heißt heute "Interdisziplinarität". Man könnte es auch als Gegenteil des Fachidiotentums beschreiben, das auch noch heute in manchem Elfenbeinturm und mancher Fachzeitschrift kultiviert wird.

Heute studiert man seltener die reine Lehre, sondern gleich Biophysik, Life Sciences, Materialwissenschaft, Computational Science oder Wirtschaftschemie, um nur einige Studiengänge zu nennen. Das ist auch gut so, weil es den Horizont erweitert und eine gute Vorbereitung auf das spätere Arbeiten in interdisziplinären Teams ist.

Versuchen wir dennoch eine Abgrenzung: Chemie definiert man am einfachsten als "Lehre von den Stoffen und den Stoffänderungen", die Physik als "Lehre von den Zuständen und den Zustandsänderungen" und die Biologie kann als "Wissenschaft der Lebewesen" beschrieben werden.

Mit der Mathematik dagegen tut man sich schwer, viele sehen in ihr auch nur eine Hilfsdisziplin, was ein Mathematiker sicher ganz anders bewerten wird. Die wörtliche Übersetzung aus dem Griechischen "Kunst des Lernens" hilft nicht weiter und auch die Definition in der Wikipedia als "Wissenschaft, die durch logische Definitionen selbstgeschaffene abstrakte Strukturen mittels Logik auf ihre Eigenschaften und Muster untersucht" klingt nicht nur für Otto Normalverbraucher recht sperrig.

In solchen Fällen ist es immer gut, wenn es einen klugen Wissenschaftler, Schriftsteller und Moderator wie Magnus Pyke gab, der eine einfache Definition mit einem Augenzwinkern vorgeschlagen hat. Sie bündelt gängige Vorurteile gegen die vier Disziplinen in vier kurzen Sätzen, die auch jeder Nichtwissenschaftler versteht:

Wenn es sich windet, ist es Biologie. Wenn es stinkt, ist es Chemie. Wenn es nicht klappt, ist es Physik. Und wenn Sie es nicht verstehen, ist es Mathematik.
Magnus Pyke (1908-1992)

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Autor: Dr. Torsten Beyer


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