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Das Online-Labormagazin
26.11.2020

25.03.2020

Krisen als Chance!


Chancen in der Krise
Pixabay [CCO]
Ein ungefähr 100 Nanometer großes Virus mit dem unscheinbaren Namen COVID-19 hat den Alltag aller Erdbewohner in den letzten drei Monaten in einer Weise verändert, die davor absolut unvorstellbar oder nur in einer Diktatur wie China denkbar war.

Auch die Laborbranche hat es in vielen Bereichen hart getroffen. Die PITTCON fand noch statt, aber am 6. März wurde dann die analytica auf den Herbst verschoben. Danach folgten in immer kürzerer Abfolge Absagen und Verschiebungen zahlreicher kleinerer Messen, Tagungen und Seminare und momentan steht hier fast der gesamte Betrieb.

Genauso verhält es mit Außendienstbesuchen bei Kunden. Und leider stockt bei einigen Herstellern auch die Produktion aufgrund von Krankheitsfällen oder weil Lieferketten unterbrochen sind und einzelne Teile nicht zur Verfügung stehen. Wird alles im Ausland gefertigt, gibt es oft Probleme mit dem Transport.

Das alles hat nicht nur die Laborbranche in eine Art Schockstarre versetzt, aber auf ein Ende der Beschränkungen nach Ostern hoffen nur noch die kühnsten Optimisten. Daher gilt es nach dem ersten Schock zu überlegen, was man vielleicht in anderer Form trotzdem realisieren kann.

Viele Seminaranbieter stellen Ihr Schulungsprogramm auf Webinare um, was generell perspektivisch eine gute Idee zur Vermeidung von CO2-Emissionen gewesen, aber sicher nicht so konsequent verfolgt worden wäre wie aktuell. Genauso sieht es mit den vielen Firmen-Meetings aus, für die Mitarbeiter ständig rund um den Globus reisen müssen. Hier bleiben als einzige Option Videokonferenzen.

Außendienstbesuche kann man ebenfalls als Videoanruf durchführen, Kunden können sich Produktvideos ansehen, die ja viele Hersteller sowieso schon anbieten. Aber nun sollte man diese Kommunikationsformen weiter forcieren, denn auf absehbare Zeit werden Dienstreisen aller Art, wenn überhaupt nur noch sehr eingeschränkt möglich sein.

Was ich allerdings als zweifelhaft ansehe, sind die aktuell aus dem Boden sprießenden virtuellen Ersatzmessen beispielsweise für die analytica. Aktuell sind mir drei bekannt, von denen zwei gleichzeitig und zum eigentlichen Messetermin stattfinden. Die Logik dahinter erschließt sich mir hier nicht.

Die eigene Webseite ist eine ganzjährige virtuelle Messe ohne Konkurrenzanbieter in der Nähe, auf der sich aktuelle und potenzielle Kunden jederzeit informieren können. Genauso Online- und Print-Magazine, die ja auch weiterhin erscheinen. Ich würde eher empfehlen, diese Aktivitäten weiter auszubauen. Aber jeder Hersteller muss selbst entscheiden, ob er in solche Formate, die nur ein paar Tage oder Wochen online sind, vier- bis fünfstellige Summen investiert. Die Verschiebung der analytica lässt sich damit sicher nicht mal ansatzweise kompensieren.

In jedem Fall sollte man die aktuelle Krise zum Anlass nehmen, seine Geschäftsbasis breiter aufzustellen und die virtuellen Kontaktmöglichkeiten im Internet weiter ausbauen. Denn die nächste Pandemie kommt bestimmt und sie wird dann weniger schlimm sein, wenn man vorbereitet ist und alternative Geschäftsmodelle bereits entwickelt hat.

Oder sehen wir es doch mal positiv wie der Autor zahlreicher Aphorismen Hubert Joost:

Gäbe es keine Krisen - gäbe es auch keinen Fortschritt.
Hubert Joost (*1939)

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Autor: Dr. Torsten Beyer


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