12.03.2020

Viren könnten existenzbedrohend werden


Corona-Virus
Pixabay [CCO]
Masern, Mumps, Röteln, Windpocken und Pfeiffer'sches Drüsenfieber - etwas davon hat fast jeder schon gehabt. Genauso kommt eigentlich niemand um normale Erkältungen mit Schupfen und Husten herum und manchen trifft auch mal eine echte Grippe (Influenza).

Wenn wir über die neuen Viren aus den 2000er Jahren wie Schweinegrippe (H1N1) oder Vogelgrippe (H5N1) reden, so blieben diese auf das Tierreich beschränkt oder konnten wie im Falle von SARS schnell eingedämmt werden, weil sie nicht so ansteckend waren.

Der neuartige Vertreter aus der Familie der Coronaviren COVID-19 ist leider von einer anderen Qualität und eine größere Bedrohung, weil er weitaus ansteckender als die anderen Vertreter ist und es noch kein wirksames Gegenmittel gibt.

Allen genannten Erkrankungen gemeinsam ist, dass es sich um Virusinfektionen handelt, die durch Tröpfcheninfektion übertragen werden. Daneben kennen wir noch Schmier- bzw. Kontaktinfektionen wie Durchfall, Herpes, Hepatitis A (teilweise), Gelbsucht, Kinderlähmung oder Ebolafieber oder Infektionen durch Insektenstiche wie FSME und solche, die durch den Austausch von Körperflüssigkeiten übertragen werden wie das HI-Virus (AIDS) oder Hepatitis B.

Viele der genannten Krankheiten sind mit Vorsicht zu genießen, da sie mehr oder weniger stark ansteckend sind und es nur für wenige einen 100prozentigen Impfschutz gibt. Niemand weiß aktuell, ob und wann es gegen COVID-19 einen wirksamen Impfstoff geben wird und wie effektiv er sein wird. Die einzige Hoffnung aktuell ist, dass man COVID-19 nur einmal durchlebt wie die anfangs genannten Masern oder Windpocken, aber auch das wissen wir noch nicht mit absoluter Gewissheit.

Warnungen vor einer Pandemie durch einen neuartigen Virus gibt es schon viele Jahre, aber für die meisten von uns war dies genauso unvorstellbar wie ein Meteoriteneinschlag für die Dinosaurier oder der 3. Weltkrieg.

Was aber seit Jahresanfang rund um COVID-19 passiert, hat es so zu meinen Lebzeiten noch nicht gegeben. Wir erleben gerade die Verschiebung der analytica und vieler anderer Veranstaltungen und für immer mehr Menschen wird der tägliche Alltag eingeschränkt oder sie landen in Quarantäne, weil in ihrem Umfeld eine Infektion aufgetreten ist.

Die Globalisierung, bisher für viele ein Segen und die Basis unseres Wohlstandes, wird dabei auch zur großen Achillesverse, weil eben alles mit allem zusammenhängt und eine weltweite Ausbreitung des Virus durch die hohe globale Mobilität innerhalb weniger Monate erfolgen konnte. Folgenschwer ist auch die Unterbrechung von Produktionsketten, verursacht durch die häusliche Quarantäne von zahlreichen Arbeitnehmern, was zum Beispiel bei Medikamenten für chronisch Kranke schon bedrohliche Auswirkungen annimmt.

Der US-amerikanische Molekularbiologe und Genetiker Joshua Lederberg hat ein sehr wahres Wort gesprochen, das uns jetzt voll um die Ohren fliegt und nach der Cororona-Krise zu viel mehr Forschungsaktivitäten in die Bekämpfung von Viren und die Verhinderung von Pandemien führen muss. Weil es in unser aller Interesse ist und sogar existenzbedrohend für die Menschheit werden könnte, wenn die Mortalitätsrate einer Vireninfektion nicht unter einem Prozent wie bei COVID-19, sondern im deutlich zweistelligen Bereich liegen würde. Denn genau wie die Globalisierung, kennen auch Viren keine Landesgrenzen...

Viren sind die einzigen Rivalen um die Herrschaft über unseren Planeten. Wir müssen auf Draht sein, um mit ihnen Schritt zu halten.
Joshua Lederberg (1925-2008)

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Autor: Dr. Torsten Beyer


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