29.01.2020

George Orwell 2.0 - Die Super-Bilddatenbank der Menschheit!


Gesichtserkennung 2.0
Der gläserne Nutzer (Quelle: Pixabay [CCO])
In der letzten Woche ließ die Meldung aufhorchen, dass die bisher in Erscheinung getretene US-Firma Clearview über eine Gesichtserkennungsdatenbank mit rund 3 Milliarden Fotos verfügt, primär von US-Bürgern. Diese soll ausschließlich mit öffentlich zugänglichen Bildern von Plattformen wie Facebook und YouTube aufgebaut worden sein.

Das mag vielleicht noch nicht so problematisch klingen, allerdings soll das Unternehmen hunderten Behörden den Zugriff auf die Datenbank zum Kauf angeboten haben. So könnten beispielsweise Kriminelle und Verkehrssünder einfacher gefunden werden.

Dass in China gerade die totale Überwachung der Bevölkerung über Gesichtsscanner aufgebaut wird, schockiert eigentlich schon genug, aber das betrifft uns hier in Europa glücklicherweise noch nicht direkt. Allerdings werden andere Diktaturen sicher folgen und wahrscheinlich nicht nur die!

Wenn nun aber Privatunternehmen solche Datenbanken aufbauen können und den Zugriff verkaufen - schlimmstenfalls im Darknet an jeden und nicht nur an Behörden -, dann wird die Datenschutzproblematik im Internet eine ganz neue und unheilvolle Dimension erreichen. Man will sich kaum ausmalen, was Kriminelle mit einer solchen Datenbank anstellen könnten.

Da viele Menschen ständig unzählige Bilder von sich in sozialen Netzwerken posten, die sich dann dem Namen und der Adresse relativ einfach zuordnen lassen, waren wir vielleicht bisher nur zu naiv nicht daran zu denken, dass jemand aus diesen Daten eine Art Super-Bildersuchmaschine entwickeln könnte. Wahrscheinlich ist das noch nicht einmal illegal, weil ja nur frei verfügbare Daten dazu verwendet werden, die die Leute freiwillig veröffentlicht haben.

Es gibt sicher auch sinnvolle Anwendungen für einer solche Datenbank, wie die Suche nach vermissten Personen, nach Tätern und Opfern von Kindesmissbrauch und anderen Straftätern, aber dann sollten die Daten bitte nur in den richtigen Händen wie beispielsweise dem Bundeskriminalamt liegen. Paradoxerweise verhindern aber wahrscheinlich gerade in Deutschland unsere strengen Datenschutzgesetze, dass Behörden solche Datenbanken legal aufbauen dürfen - aber ich bin kein Jurist.

Das Zeitalter der Digitalisierung wird immer auch mit Schlagworten wie Big Data und den tollen Möglichkeiten verknüpft, die sich daraus ergeben, beispielsweise im Online-Marketing oder der Suche nach seltenen Krankheiten. Allerdings kann man kann die Datenflut, wenn sie so wie beschrieben missbraucht wird, vielleicht eher wie Marc Al-Hames, Geschäftsführer der Cliqz GmbH, einem deutschen Unternehmen, das eine eigene Suchmaschine als Gegengewicht zu Google entwickelt hat, einordnen:

Daten sind nicht das neue Öl, sondern der neue Atommüll.
Marc Al-Hames (*1978)

» Clearview baut Gesichtsdatenbank mit 3 Milliarden Fotos auf

» über die Cliqz GmbH

Autor: Dr. Torsten Beyer


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