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20.06.2024

26.01.2024

Mit genetischen Barcodes tödliche Vergiftungen von Tieren durch Pflanzen aufklären

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Vergiftungen von Tieren durch Pflanzen sind keine Seltenheit. Welche Giftpflanze im Einzelfall verantwortlich ist, lässt sich oft nur schwer feststellen, da die zur Bestimmung notwendigen Pflanzenteile im Magen der Tiere meist schon zersetzt sind.

Forschende des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) arbeiten bereits seit einigen Jahren an einem Verfahren, um Fälschungen oder Verwechslungen von pflanzlichen Lebensmitteln mithilfe von DNA-Barcodes aufzudecken. Mit ihrer Technik haben sie jetzt gemeinsam mit dem Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Freiburg ungeklärte Fälle von tödlichen Vergiftungen bei Tieren gelöst.

Pflanzen anhand genetischer Fingerabdrücke identifizieren

"Die DNA eines Organismus ändert sich nicht, egal welches Gewebe untersucht wird, in welchem Entwicklungsstadium es sich befindet oder welche Umweltbedingungen herrschten, bevor die Pflanze gefressen wurde", sagt Peter Nick vom Joseph Gottlieb Kölreuter Institut für Pflanzenwissenschaften des KIT. Um die Pflanzen zu identifizieren, isolieren die Forschenden die DNA aus dem Mageninhalt und vervielfältigen daraus mittels PCR das entsprechende Markergen, bis sie eine Sequenz ablesen können.

Als Marker werden vor allem Gene aus den Chloroplasten verwendet, die in allen Pflanzen vorkommen, sich aber in manchen Bereichen unterscheiden. "Dort suchen wir dann nach arttypischen Sequenzmotiven und vergleichen sie mit den DNA-Barcodes aus unserer über Jahre aufgebauten Datenbank", so Nick. "Durch die Analyse dieser genetischen Fingerabdrücke ist es möglich, die Giftpflanze im Magen eines toten Tieres zu identifizieren, selbst wenn herkömmliche Methoden keine eindeutigen Ergebnisse liefern."

Die Forschung hat das Potenzial, nicht nur Einzelfälle von Vergiftungen von Tieren durch Pflanzen aufzuklären, sondern auch Muster zu erkennen. Dies könnte wichtige Erkenntnisse liefern, um Vergiftungsfälle besser zu verstehen und möglicherweise auch zu verhindern.

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Quelle: Karlsruher Institut für Technologie (KIT)