23.03.2020

Tabletten aus Papier für die Anwendung schwer löslicher Arzneistoffe



Bei mancher Erkrankung ist ein Medikament die beste Lösung. Was aber, wenn sich diese Lösung nicht auflösen lässt? Insbesondere neuartige Arzneistoffe sind häufig schwer löslich und können deshalb ihre Wirksamkeit im Körper nicht entfalten.

Prof. Dr. Cornelia Keck vom Fachbereich Pharmazie der Philipps-Universität Marburg ist es gelungen, einen verblüffend einfachen Ausweg für dieses Problem zu finden - mit Hilfe von Papier. Für diese Erfindung ist sie von Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies mit dem Marburger Förderpreis für Bio- und Nanotechnologie (MarBiNa) 2019 ausgezeichnet worden.

Die Initiative Bio- und Nanotechnologie (IBiNa) hat den Marburger Förderpreis für 2019 verliehen, diesmal an die Pharmazeutin und Forscherin Prof. Dr. Cornelia Keck. Mit dem Förderpreis werden bereits seit 2014 junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für hervorragende Leistungen und Entdeckungen im Bereich der Bio- und Nanotechnologie ausgezeichnet.

Dabei ist es wichtig, dass die Entdeckung nicht nur theoretisch von großer Bedeutung ist, sondern auch gut für die Praxis geeignet ist. Gerade diese Nähe zur praktischen Umsetzung hat die Auswahlkommission von der Forschungsarbeit von Prof. Keck überzeugt.

"Mit Ihrer Forschung zur Herstellung von Papiertabletten haben Sie eines der größten Probleme der Pharmazie lösen können, nämlich die Anwendung schwer löslicher Arzneistoffe," sagte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies, der Vorsitzender der Initiative für Bio- und Nanotechnologie ist, bei der Preisverleihung. Weil sich viele Wirkstoffe schlecht im Magen-Darm-Trakt auflösten, könnten sie nicht in ausreichendem Umfang in den Blutkreislauf aufgenommen werden, erklärte der OB.

Zur Verbesserung dieser Situation würden Patientinnen und Patienten auch Hilfsstoffe mitverabreicht, die mitunter unerwünschte Nebenwirkungen hätten. Prof. Dr. Cornelia Keck konnte nachweisen, dass Papier als Wirkstoffträger aufgrund seiner nanometer-skaligen Porengrößen den Wirkstoff sehr gut und lange binden kann und sogar die Geschwindigkeit der Wirkstoffauflösung im Körper erhöht. "Mit Hilfe Ihrer Forschungsergebnisse ist es möglich, kostengünstige, umweltfreundliche und gleichzeitig effektive Arzneimittel herzustellen", sagte der Oberbürgermeister.

Nach der Preisübergabe bedankte sich Prof. Dr. Cornelia Keck für die Auszeichnung und erläuterte das Verfahren zur Herstellung der Papiertabletten. Die Pharmazeutin, deren Fachgebiet schwer lösliche Substanzen sind, erklärte, dass eine Vielzahl potentieller Wirkstoffe mit herkömmlichen Verfahren nicht löslich sei. So kam ihr 2015 die Idee, mit Papier eine andere Strategie zur Löslichkeit zu entwickeln. Die Wirkstoffe werden auf das Papier geträufelt und schließlich umhüllt. Optisch sind sie kaum von herkömmlichen Tabletten zu unterscheiden. Keck hat das Verfahren bereits patentiert und ist gerade dabei, das Produkt in Kooperation mit einem Unternehmen für den Markt vorzubereiten.

Erfolgreiche Innovationen und Gründungen aus der Vergangenheit prägen noch heute maßgeblich die Universitätsstadt Marburg. "Ohne die umsetzungsfähigen Ideen junger Wissenschaftler*innen wäre unsere Universitätsstadt nicht dort, wo sie heute steht. Darauf sind wir stolz. Und das wollen wir als Stadt unterstützen", betonte Dr. Spies.

Aus diesem Gedanken heraus ist die Initiative für Bio- und Nanotechnologie entstanden. Getragen wird die IBiNa von der Universitätsstadt Marburg, von namhaften Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus der Region und Unternehmen aus den Branchen Biotechnologie, Nanotechnologie und Pharmazie sowie zahlreichen weiteren Unterstützerinnen und Unterstützern. Ziel der IBiNa ist es, hochwertige Forschungsergebnisse in wirtschaftlichen Erfolg umzusetzen und damit im überregionalen Wettbewerb das Oberzentrum Marburg nach vorne zu bringen.

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Quelle: Universität Marburg




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