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19.07.2024

10.08.2023

Lernen im Wandel: Bildung 4.0

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Lernen 4.0 (Bildquelle: Pixabay)
Lernen 4.0 (Bildquelle: Pixabay [CCO])
Während meines Studiums war ich immer wieder von dem Gedanken fasziniert, Grundkurse in den verschiedensten Bereichen zu belegen. Damit meine ich Grundkurse in Physik, Chemie, Astronomie, kreatives Schreiben, Mathematik, Biologie, BWL, Philosophie, etc.

Da man aber als Student nicht einmal genug Zeit für das eigentliche Studium hat, geschweige denn fachfremde Fächer zu belegen, hegte ich die Hoffnung, dies irgendwann nachzuholen, wenn ich in Rente gehe und die gewonnene Zeit dafür nutzen kann, um mich endlich den Themen und Wissensgebieten zu widmen, die mich schon immer faszinieren. Soweit zu meinem "futuristischen Tagtraum".

Angesichts der raschen Entwicklungen unserer Zeit stellt sich hier jedoch die Frage, ob in 20 bis 30 Jahren die traditionellen Formen des Studierens, der Bildung und des nachhaltigen Lernens, so wie wir sie einst verstanden und gelebt haben, noch Bestand haben werden. Anknüpfend daran drängt sich mir die Frage auf: wie wird beispielsweise mein Sohn in diesem neuen Bildungsumfeld studieren und wie wird er sein erlerntes Wissen anwenden müssen, um nachhaltig erfolgreich zu sein? Und ganz nebenbei: Werde ich mit 68 oder 70 Jahren überhaupt noch in der Lage sein, mit dem digitalen Wandel mitzuwandern?

Die rasante Digitalisierung, technologische Fortschritte und Globalisierung prägen unsere Welt. In diesem sich ständig wandelnden Kontext wird lebenslanges Lernen immer wichtiger. Es geht nicht mehr nur darum, in der Schule oder an der Universität Wissen zu erwerben, sondern dieses Wissen kontinuierlich zu aktualisieren und neue Fähigkeiten zu erlernen.

Neben der Aktualisierung von Wissen steht insbesondere die Anpassungsfähigkeit im Mittelpunkt. Die Fähigkeit, Neues schnell aufzunehmen und sich in unbekannte Themenfelder einzuarbeiten, wird in vielen Berufen zunehmend zum Schlüssel für Erfolg und Beständigkeit. Zudem fordert die Digitalisierung nicht nur technische Kompetenzen; das Bildungskonzept erweitert sich von reinem Faktenwissen hin zu einem umfassenden Kompetenzenerwerb, der jungen Menschen auf die digitalen Herausforderungen von morgen vorbereitet.

Für meinen Sohn bedeutet dies: Das erlernte Wissen allein wird nicht ausreichen. Er wird lernen müssen, sich in einer sich ständig verändernden Welt anzupassen, flexibel und interdisziplinär zu denken und mit Menschen aus verschiedenen Kulturen und Hintergründen zusammenzuarbeiten. Er wird auch die Fähigkeit benötigen, sein Wissen ständig zu aktualisieren und neue Technologien und Werkzeuge schnell zu erlernen und anzuwenden. Emotionale Intelligenz, Anpassungsfähigkeit und lebenslanges Lernen werden zu den Schlüsselkompetenzen für nachhaltigen Erfolg gehören.

Alvin Toffler, ein bekannter Futurist, formulierte diesen Wandel sehr treffend:

Die Analphabeten des 21. Jahrhunderts werden nicht diejenigen sein, die nicht Lesen und Schreiben können, sondern diejenigen, die nicht lernen, verlernen und wieder lernen.
Alvin Toffler (1928-2016)

Dieses Zitat betont die Notwendigkeit, sich ständig anzupassen und neues Wissen in einer sich ständig verändernden Welt zu erwerben. Menschen, die sich ständig weiterbilden, profitieren nicht nur selbst davon, sondern bereichern auch die Gesellschaft. Sie sind anpassungsfähiger, kreativer und innovativer.

Bildung wird künftig nicht nur ein Privileg, sondern eine Notwendigkeit sein. In dieser Zukunft ist das Lernen nicht nur personalisiert, sondern auch grenzenlos, interaktiv und ganzheitlich ausgerichtet. Sie sollte jedoch kein Luxus für einige wenige sein, sondern ein Recht für alle. Es ist Aufgabe der Gesellschaft, dafür zu sorgen, dass jeder Zugang zu Bildung erhält und die Möglichkeit hat, sich ständig weiterzuentwickeln. Nur so kann sichergestellt werden, dass alle Menschen, unabhängig von ihrem sozialen oder kulturellen Hintergrund, die gleichen Chancen haben.

Und wenn ich in 25 bis 30 Jahren in den Ruhestand gehe, hoffe ich, in der Lage zu sein, mein Streben nach Wissen und Bildung weiterhin fortzusetzen, um geistig aktiv zu bleiben, mit den jüngeren Generationen Schritt zu halten und evtl. einen wertvollen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten.

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anonym11.08.2023 um 12:10:58

Sehr schön geschrieben! Ich finde auch, dass das Lernen in den nächsten Generationen neu definiert werden wird. Aber auch heute ist es schon zum großen Teil so. Wer arbeitet denn tatsächlich in dem Berufszweig, was er ursprünglich studiert hatte?




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