18.09.2026
Moderne Analytik gibt neue Einblicke in 1700 Jahre alte Fundstücke
Röntgen-Computertomographie und Röntgenfluoreszenzanalyse ermöglichen neue Erkenntnisse zum Aufbau und zur Herstellung der 1700 Jahre alten Fibeln aus dem Fürstinnengrab von Dienstedt.
Im Jahr 1837 wurden bei Straßenbauarbeiten östlich von Dienstedt im heutigen Ilmkreis die Überreste eines außergewöhnlich ausgestatteten Frauengrabes aus der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts entdeckt.
Zu den herausragenden Grabbeigaben zählen neben Keramik- und Bronzegefäßen, einem römischen Messer und Schmuck zwei kunstvoll gearbeitete Dosenfibeln. Für diese außergewöhnlichen Stücke gibt es in Europa nur wenige Vergleichsbeispiele.
Heute befinden sich die Funde in der Sammlung Ur- und Frühgeschichte der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Erstmals wissenschaftlich beschrieben wurden sie bereits 1908 durch G. Eichhorn aus Jena. Mehr als ein Jahrhundert später stehen moderne Untersuchungsmethoden zur Verfügung, die einen detaillierteren Blick auf die Konstruktion und die verwendeten Materialien ermöglichen.
In einer Kooperation zwischen INNOVENT e.V. aus Jena und der Sammlung Ur- und Frühgeschichte der Friedrich-Schiller-Universität Jena wurden die beiden Dosenfibeln deshalb mit Röntgen-Computertomographie (CT) und Röntgenfluoreszenzanalyse (RFA) untersucht.
Zerstörungsfreier Blick ins Innere
Die Röntgen-Computertomographie ermöglicht es, mit Röntgenstrahlung in das Innere der historischen Objekte zu blicken. Dadurch können verborgene Strukturen und konstruktive Details sichtbar gemacht werden, ohne die Fibeln zu öffnen oder anderweitig zu beschädigen. Insbesondere die Verbindungen zwischen den einzelnen Bauteilen lassen sich auf diese Weise untersuchen.Die ergänzende Metallanalytik mittels Röntgenfluoreszenzanalyse liefert Informationen über die chemische Zusammensetzung der verwendeten Materialien. Dabei sind nicht nur die Hauptbestandteile von Interesse. Auch Nebenkomponenten und Spurenverunreinigungen können als charakteristische Materialsignaturen Hinweise auf die Herstellung geben.
Materialsignaturen verraten die Herstellung
Die RFA-Untersuchungen zeigten eine außergewöhnlich hohe Reinheit des Kupfers in der zentralen Achse einer der Fibeln. Verunreinigungen durch Gold und Silber lagen dort unterhalb der Nachweisgrenze. Interessante Hinweise ergaben sich dagegen aus den Spuren von Blei und Zinn. Sie belegen, dass die Bauteile des Bodens der Dosenfibel aus verschiedenen Blechen geschnitten wurden.Bei den Drahtringen zeigte sich ein anderes Bild: Drei der insgesamt fünf Drahtringe dürften aus derselben Materialrolle stammen. Die Ergebnisse geben damit nicht nur Aufschluss über die verwendeten Metalle, sondern liefern auch Hinweise darauf, wie die einzelnen Komponenten der Fibel gefertigt wurden.
Die Kombination aus zerstörungsfreier Computertomographie und materialanalytischer Untersuchung eröffnet damit neue Möglichkeiten, historische Objekte und ihre Herstellungstechniken zu erforschen. Erkenntnisse, die mit den vor mehr als 100 Jahren verfügbaren Untersuchungsmethoden noch nicht gewonnen werden konnten, lassen sich heute durch moderne naturwissenschaftliche Analytik erschließen.
Quelle: INNOVENT - Technologieentwicklung Jena
