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05.10.2022

14.02.2022

Daten zur Risikobewertung von Nanopartikeln vorgelegt

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Im Rahmen des gemeinsamen Großprojektes NanoInVivo wurden mögliche Langzeitwirkungen von Nanopartikeln tierexperimentell untersucht. Weiter wurde auch deren Verteilung im Organismus analysiert. Das Ziel dieser Studie war es, wesentliche Erkenntnislücken für eine Gruppe von Nanopartikeln zu schließen.

Das 2011 initiierte Projekt legt jetzt einen über 4.000 Seiten umfassenden Abschlussbericht vor. Mehrere Publikationen in wissenschaftlichen Zeitschriften sind in Vorbereitung. Danach verursachen nicht-faserige (d.h. granuläre) Nanopartikel keine grundsätzlich anderen Gesundheitsgefährdungen als entsprechende mikroskalige Partikel.

Am Langzeitprojekt NanoInVivo beteiligten sich das Bundesumweltministerium, das Umweltbundesamt, das Bundesinstitut für Risikobewertung, die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, die BASF SE sowie das Fraunhofer-Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin. Mit dieser Studie wurde gezielt der Bereich von niedrigen Belastungen gegenüber granulären Nanomaterialien untersucht, weil diese für die tatsächliche Belastungssituation von Verbrauchern und am Arbeitsplatz von besonderer Bedeutung sind. Als ein Beispielstoff wurde Cerdioxid untersucht, als Kontrolle in einer hohen Belastung Bariumsulfat.

Bei Cerdioxid überraschte ein Entzündungseffekt bereits bei der niedrigsten Belastung. Vermutlich kam hier zusätzlich zur reinen Partikelwirkung noch eine für Cerdioxid bisher unbekannte stoffspezifische Wirkung zum Tragen. Trotz der chronischen Entzündung bei allen untersuchten Belastungen wurden jedoch in der Studie an Ratten keine Lungentumoren gefunden, die auf Cerdioxid oder Bariumsulfat zurückzuführen gewesen wären. Dies kann dahin gedeutet werden, dass eine chronische partikelbedingte Entzündung von geringerem Ausmaß nicht ausreicht, um zur Tumorbildung zu führen.

Eine weitere offene Frage war, in welchem Ausmaß sich als unlöslich angesehene Nanopartikel nach chronischer Belastung im Körper verteilen und über die Zeit in Organen anreichern können. Damit verbunden war die Frage, ob eine Anreicherung zu so hohen Belastungen in bestimmten Organen führen kann, dass dadurch schädigende Wirkungen auftreten. Es konnte gezeigt werden, dass die Organbelastungen mit Cer mit steigender Expositionshöhe und mit der Zeit zunahmen. Die Anreicherung fand allerdings in nur sehr geringem Ausmaß, das heißt auf sehr niedrigem Niveau statt. In allen zusätzlich zur Lunge untersuchten Organen fanden sich keine dadurch verursachten Schädigungen.

Insgesamt hat die in einem großen Verbundprojekt durchgeführte Studie wichtige Ergebnisse geliefert, um granuläre Nanopartikel im Niedrigdosisbereich toxikologisch zu bewerten. Danach kann davon ausgegangen werden, dass eingeatmeten granulären Nanopartikeln, die keine stoffspezifische Toxizität besitzen, keine grundsätzlich andere Gesundheitsgefährdung im Vergleich zu entsprechenden mikroskaligen Partikeln zugewiesen werden muss.

» Link zur Studie

Quelle: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)