Header
Das Online-Labormagazin
22.09.2021

07.09.2021

Orale Aufnahme von Mikroplastik: Was geschieht im Körper?

Teilen:


Ein aktuelles Forschungsprojekt untersucht die Auswirkungen von Mikroplastik auf den menschlichen Organismus. Partikel aus Kunststoff mit einem Durchmesser von einem Mikrometer bis zu fünf Millimetern werden als Mikroplastik bezeichnet.

Während primäres Mikroplastik als Grundstoff für die Industrie absichtlich in dieser Größe für verschiedene Anwendungen hergestellt wird, entsteht das in der Umwelt und in Lebensmitteln unerwünschte sekundäre Mikroplastik als Abbauprodukt von Plastikmüll in den Weltmeeren. Ursachen sind Umwelteinflüsse wie Salzwasser, UV-Strahlung und mechanische Einwirkung durch den Wellengang.

Eine Reihe von Projekten untersucht bereits die Auswirkungen von Mikroplastik auf die Umwelt. Doch was stellen die winzigen Plastikteilchen im menschlichen Verdauungstrakt an? Hierzu gibt es bislang nur wenige Untersuchungen. Ein Forschungsprojekt des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) will nun diese Lücke schließen.

Über die Nahrung gelangt Mikroplastik in den Verdauungstrakt von Tieren und Menschen. In Tierexperimenten wurden auch einzelne Partikel in der Leber, der Milz und den Nieren der Versuchstiere gefunden. Die meisten Studien konzentrierten sich bislang auf ein bestimmtes Material, nämlich Polystyrol, das vor allem in der Form des extrudierten Hartschaums Styropor bekannt ist, und dabei auf Partikel, die größer als ein Mikrometer sind. Es ist jedoch davon auszugehen, dass auch Mikropartikel aus anderen Kunststoffmaterialien und in kleinerer Größe unter einem Mikrometer vorkommen.

Das BfR-Forschungsprojekt soll weiter reichende Ergebnisse zu Mikroplastik im menschlichen Verdauungstrakt liefern. Ein zentrales Thema ist dabei die sogenannte Bioverfügbarkeit, also die Frage, ob und unter welchen Umständen die winzigen Plastikpartikel in den Blutkreislauf aufgenommen und im Körper verteilt werden. Auch mögliche toxikologische Effekte werden im Projekt untersucht.

Erste Ergebnisse aus Versuchen mit Zellkulturen und Mäusen zeigen, dass bei sehr hoher Dosierung die Zellen der Darmschleimhaut zwar einen sehr kleinen Teil der Partikel aufnehmen und einige wenige Partikel auch in den Blutkreislauf gelangen. Es wurden dabei bislang aber keine adversen Effekte beobachtet. Das BfR setzt diese Untersuchungen in einer Nachwuchsgruppe insbesondere auch mit Partikeln in Nanogröße fort.

Quelle: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)