Analytik NEWS
Das Online-Labormagazin
21.05.2022

24.02.2022

Wissenschaftsgesellschaft im Wandel der Zeit

Teilen:


Max Planck
Max Planck [CC BY-SA]
Bundesarchiv
Am 26. Februar 1948 wurde aus der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft (KWG) offiziell die Max-Planck-Gesellschaft. Sie ist eine der renommiertesten Forschungsgemeinschaften und betreibt mittlerweile neben ihren zahlreichen Instituten in Deutschland auch in 13 Ländern weltweit Max-Planck-Center. Nicht nur die Gesellschaft und ihre Geschichte sind außerordentlich spannend, es lohnt sich auch auf ihren Namensgeber einen Blick zu werfen.

Wie so vieles in Deutschland mussten nach dem Zweiten Weltkrieg auch die wissenschaftlichen Institute der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft neu geordnet werden. Zu tief waren die meisten leitenden Wissenschaftler in den Netzen und Ideologien des nationalsozialistischen Regimes verstrickt.

So wurde ab Mai 1945, nach dem Selbstmord des regimetreuen Präsidenten der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft Albert Vögler, unter der Leitung des Generalsekretärs Ernst Telschow zunächst die wissenschaftliche Infrastruktur wiederbelebt und der Quantenphysiker Max Planck als kommissarischer Präsident eingesetzt. Auf Betreiben der britischen und amerikanischen Alliierten erfolgte schließlich am 26. Februar 1948 die offizielle Gründung der Max-Planck-Gesellschaft, die die Arbeiten verschiedener Kaiser-Wilhelm-Institute weiterführen sollte und deren erster Präsident der Chemiker Otto Hahn wurde.

Hahn wurde, von dem als politisch engagierten und regimekritisch bekannten Albert Einstein, als einer der "Wenigen, die aufrecht geblieben sind und ihr Bestes taten während dieser bösen Jahre" bezeichnet. Daher war er eine gute Wahl für diese Position und genoss auch das Vertrauen der Briten, die ihn mit der Aufgabe der Neuordnung der Max-Planck-Gesellschaft und damit den Aufbau der deutschen Wissenschaft voranzubringen, beauftragten.

Trotz dieses Neuanfangs dauerte es noch viele Jahrzehnte, bis die Max-Planck-Gesellschaft 1997 begann, die Vergangenheit ihrer Vorgängerorganisation und die Verbrechen der NS-Zeit gründlich aufzuarbeiten und über einen Zeitraum von 10 Jahren von unabhängigen Historikern untersuchen zu lassen.

Max Planck, Namensgeber der Gesellschaft, war seinerseits als Begründer der Quantenphysik in der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft ausgesprochen aktiv und bereits von 1930 bis 1937 deren Präsident. Da in die Zeit seiner Präsidentschaft die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten fiel, ist es natürlich interessant zu wissen, wie Planck politisch orientiert war.

Sicher ist, dass Planck kein Verfechter des Nationalsozialismus war, allerdings trat er auch nicht - wie einige seiner Kollegen - als Kritiker des Regimes in Erscheinung. Während seiner Präsidentschaft wurden nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten hochkarätige jüdische Wissenschaftler wie Lise Meitner aus den Diensten der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft entlassen. Ob er wusste, dass die Direktoren der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft für "wissenschaftlichen Zwecke" auch mit menschlichen Präparaten aus dem Euthanasie-Programm arbeiteten und weitere verachtenswerte Menschenversuche durchführten, ist weder bewiesen noch widerlegt.

Der Biograf Dieter Hoffmann beschreibt Max Planck als ein mit den preußischen Tugenden Pflicht, Gehorsam und Bescheidenheit ausgestattetes Kind des Kaiserreichs. Als solcher arrangierte sich Planck sicher eher mit der Obrigkeit, als sie zu hinterfragen. Zumal es ihm wichtig war, als Repräsentant der deutschen Wissenschaft - was er als Präsident der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft definitiv war - diese in jedem Fall gut dastehen zu lassen und sich selbst als unpolitischen Gelehrten zu präsentieren.

Offensichtlich war Max Planck aber doch nicht ganz wohl mit seiner Haltung. Oder er hielt es schon damals wie der österreichische Verkehrswissenschaftler Peter Cerwenka, der mit folgenden Worten zitiert wird

Jeder ist verantwortlich für das, was er unterlässt.
Peter Cerwenka (1942-2020)
Denn trotz seiner neutralen Haltung setzte er sich aktiv, aber leider erfolglos für seinen jüdischen Freund und Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Physikalische Chemie Fritz Haber ein, als dieser 1933 von seinem Amt zurücktreten musste. Ein Jahr nach Habers Tod im Jahre 1934, veranstaltete die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft unter Plancks Leitung zusammen mit der Deutschen Chemischen und der Deutschen Physikalischen Gesellschaft eine Gedenkveranstaltung zu dessen Ehren.

Max Planck als Verantwortlicher wurde noch während der Planungen zur Feier von Bernhard Rust, Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, einbestellt. Auch wenn dieser es nicht durchsetzen konnte, die Gedenkfeier zu verbieten, wurde dennoch allen Professoren und Beamten die Teilnahme untersagt. Daraufhin besuchten deren Ehefrauen, ausländische Diplomaten und andere Förderer die Veranstaltung. Für Planck hatte dies zur Folge, dass Goebbels ihm 1943 die Zustimmung zum Goethe Preis der Stadt Frankfurt am Main mit der Begründung verweigerte, dass Wissenschaftler, die sich für jüdischer Kollegen einsetzen, undenkbar seien.

Ob nun Max Planck als Namensgeber für die Nachfolge der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft ausreichend Neutralität gezeigt hat, mag fraglich sein. So ist das aber mit vielen Namenspatronen. Es gibt nicht die Helden oder die Bösewichte. Fast jeder hat irgendwo schwarze Flecken auf seiner weißen Weste. Die Max-Planck-Gesellschaft hat 1997 die Chance ergriffen und sich bemüht, ihre Geschichte aufzuarbeiten. Ob das hundertprozentig gelungen ist, kann und will ich nicht beurteilen. Als Absolution sollte eine kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit nie - auch in diesem Fall nicht - verstanden werden, aber als ein Schritt in die richtige Richtung.

» Max Planck - Ein Portrait

» Chronik der Max-Planck-Gesellschaft

Autor: Anke Fähnrich


» Kommentieren