02.09.2019

Neues Mineral im Harz entdeckt



Im August ging eine E-Mail aus Japan bei der Technischen Universität Clausthal ein. In dem Schreiben erkennt die Kommission für neue Minerale der "International Mineralogical Association" (IMA) eine Entdeckung, die Dr. Alexandre Raphael Cabral in seiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter der TU Clausthal gemacht hat, einstimmig an. In der Grube Roter Bär bei St. Andreasberg im Harz hatte er ein bis dahin unbekanntes Mineral identifiziert, das nun als Roterbärit weltweit in die mineralogischen Verzeichnisse aufgenommen wird.

"Ein neues Mineral zu entdecken, ist für einen Mineralogen eine wunderbare Sache, denn es kommt nicht alle Tage vor. Bisher sind rund 5500 Mineralarten bekannt, jährlich kommen weltweit etwa 50 neue dazu", sagt Professor Bernd Lehmann, Fachgebiet Lagerstätten und Rohstoffe. Der Dekan der Fakultät für Energie- und Wirtschaftswissenschaften der TU Clausthal ist der Doktorvater von Alexandre Raphael Cabral, der inzwischen als Professor an der brasilianischen Federal University of Minas Gerais tätig ist.

In der Arbeitsgruppe von Professor Lehmann wurden schon fünf andere neue Minerale entdeckt, die allerdings aus Promotionsarbeiten in Bolivien, Brasilien, Kongo und China hervorgegangen sind. Ein neues Mineral im Harz zu entdecken, der schon seit Jahrhunderten erforscht wird, ist etwas ganz Besonderes. Das letzte Erzmineral im Harz wurde vor mehreren Jahrzehnten entdeckt.

Aufgefallen war Cabral das neue und seltene Mineral Roterbärit mittels genauer erzmikroskopischer Beobachtung und Untersuchung mit der Elektronenstrahl-Mikrosonde. Es handelt sich um historisches Probenmaterial aus privaten Sammlungsbeständen, das von Dr. Wilfried Ließmann, ebenfalls Dozent an der TU Clausthal und Experte für den Harzer Bergbau, aufgefunden wurde. Die Proben gehen auf letzte bergmännische Erkundungsarbeiten in St. Andreasberg in den 1920er-Jahren zurück.

Um die notwendigen kristallographischen Eigenschaften zu bestimmen, musste das Mineral erst in einem aufwendigen dreijährigen Prozess im speziellen Synthese-Labor von Dr. Anna Vymazalova beim Tschechischen Geologischen Dienst in Prag künstlich erzeugt werden. "Denn Roterbärit", erläutert Professor Lehmann, "tritt nur in Mikrometer-großen Einschlüssen in Clausthalit auf." Clausthalit mit Typlokalität Clausthal ist ein Bleiselenid, das schon seit fast 200 Jahren bekannt ist. Wie die Analyse ergab, handelt es sich bei Roterbärit um ein Palladium-Kupfer-Wismut-Selenid mit der chemischen Formel PdCuBiSe3.

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Quelle: Technische Universität Clausthal




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