02.08.2019

Keime mit Plasma statt mit Chemie bekämpfen



Ob Virus, Pilz oder Bakterium: Chemikalien machen bei Seuchen fast jedem Erreger den Garaus - doch sie schaden auch Umwelt und Gesundheit. Forschende haben nun ein umweltfreundliches, mobiles Desinfektionsgerät entwickelt: Es tötet Keime mit Plasma.

Keine Chance für die Ausbreitung von Krankheitserregern - das hat bei Seuchenfällen oberste Priorität. Aggressive Chemikalien sind daher das Mittel der Wahl, um Bakterien, Pilze und Viren zu töten.

Auch für die Helfer heißt es nach dem Einsatz: Ab unter die chemische Dusche - natürlich mit dem Schutzanzug. Doch nicht nur an den Anzügen können gefährliche Erreger haften. Auch in Krankenwagen oder an Gegenständen aus dem verseuchten Gebiet können Krankheitserreger überleben. Ihnen mit der Chemiekeule den Garaus zu machen, belastet sowohl die Umwelt als auch die Gesundheit der Rettungskräfte.

Keine Gefahr für Mensch und Umwelt

Doch schon bald könnte das der Vergangenheit angehören: Im Verbundprojekt "MoPlasDekon", das vom Bundesforschungsministerium gefördert wird, haben Forschende ein neuartiges, mobiles Dekontaminationssystem entwickelt und erprobt. Egal ob auf Kunststoff, Metall oder Glas: Das etwa 25 Kilogramm schwere Gerät eliminiert in kürzester Zeit gefährliche Krankheitserreger - an jedem Ort der Welt, ganz ohne Chemie, ganz ohne Gefahr für Mensch und Umwelt.

"Dielectric Barrier Discharge"-Plasma oder kurz: Plasmaentladung - darauf basiert der neue Desinfektor, der nur elektrische Energie und Luft als Prozessgas benötigt. Das reaktive Plasmagas kann blitzschnell jeden Keim eliminieren. Die Technologie ist an sich nicht neu. Allerdings waren bisherige, industriell für Desinfektionszwecke eingesetzte Plasmasysteme aufgrund ihres Gewichts und der benötigten stationären Energieversorgung fest eingebaut. Das neue System ist nun tragbar und kann auch mit einem Akku betrieben werden.

Serienreife ist der nächste Schritt

Bisher gibt es von dem neuen System nur einen Demonstrator, den die Projektpartner Ende Juli vorgestellt haben. Die Weiterentwicklung zur Serienreife ist der nächste Schritt. Am industriellen Produkt interessierten Investoren stehen die Türen offen. Sie finden Vielversprechendes vor: Das erste mobile, per Gas-Sensorik überwachte High-Tech-Plasmasystem, das in der Lage ist, netzstromunabhängig an jedem Katastrophenort der Welt gefährliche Krankheitserreger auf Gegenständen umweltfreundlich zu eliminieren - schnell, sicher und völlig chemiefrei.

Mehr zum Projekt

Das Projekt "MoPlasDekon" wird vom BMBF im Programm "Forschung für die zivile Sicherheit" gefördert. Verbundpartner sind die Plasmatreat GmbH in Steinhagen, das Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung (IVV) in Freising und die m-u-t GmbH in Wedel. Fachberatende Unterstützung aus der Praxis hatten die Verbundpartner von den assoziierten Partnern Feuerwehr Essen (Analytische Task-Force), Bayerisches Rotes Kreuz (BRK), München, Robert Koch-Institut, Berlin sowie der Firma Thorsten Schöppner INHAG Zelte und Zubehör, Schlüchtern.

» Über "MoPlasDekon"

Quelle: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)




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