20.04.2019


Thema: Stil von Dissertationen in Analytik

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Autor(in): anonym am 22.02.2019 um 11:19:49

Hallo,

hin und wieder lese ich in den Dissertationen der Chemie-Fachbereiche zu Themen der Analytik. Viele sind wirklich herausragend. Aber zuletzt fand ich eine, die bei 158 Gesamtseiten über 60 Seiten Einleitung geschrieben hat und darin sehr weit ausholte.

So wurde - weil Eisen 3+ - Komplexe untersucht wurden -, nicht nur die gesamte Eisenchemie aus dem Hollemann präsentiert, sondern beim Verfahren ICP ebenso die gesamte Technik aus Lehrbüchern rekapituliert. Auf der anderen Seite habe ich in den Methoden und Ergebnissen viele Details vermisst und die Abbildungen waren - zwar nicht Postkartengroß - aber hätten auf alle Fälle lesbarer sein können.

Ich frage mich, warum die betreuenden Professoren solche überbordenden Einleitungen und schludrigen Ergebnisteile nicht vor der Abgabe der Arbeit anmahnen. Oder werden die Texte erst danach gelesen?

In Zeiten von VroniPlag sollten die Betreuer genau rückmelden, was geht und was nicht. Neben Form und Stil finde ich auch Arbeiten verbesserungswürdig, in denen falsche Schlüsse aus Originaldaten gezogen werden, wo Statistik gravierende Denk- und Messfehler überdecken soll und wo ganz einfach die Chemie nicht stimmt. Aber das ist eine andere Frage, die neben dem Betreuer auch die Hochschule bei Stellenbesetzung von neuen Leuten zu verantworten hat.

Aber in einer Dissertation zu neuen analytischen Verfahren in der Komplexchemie nochmal die Eisenverhüttung aus dem Hollemann erklärt zu finden, fand ich schon merkwürdig. Wie sind Eure Erfahrungen?

Sollte die DECHEMA / GDCh für Doktoranden nochmal einen Schreib-Workshop anbieten ...

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