02.10.2019

Wasser 3.0

Mikroschadstoffe aus Abwasser entfernen - mit neuen Konzepten zu wirksamen Lösungen

Dr. Katrin Schuhen Kontakt, Wasser 3.0

Michael Sturm Kontakt, Karlsruher Institut für Technologie



Deutschland ist das europäische Land, in dem am meisten Abwasser wiederaufbereitet wird. Über 96 Prozent des Abwassers aus privaten Haushalten und öffentlichen Einrichtungen wird in nahe gelegene Kläranlagen geleitet und gereinigt. Doch was passiert, wenn die Belastungen durch Mikroschadstoffe stetig zunehmen, komplexer werden, wissenschaftlicher Anspruch hinter den Lösungen zu Verschmutzungssituationen hinterherhinkt und Innovationen am Markt blockiert werden oder erst gar nicht den Markt erreichen?

Bekommen wir in naher Zukunft ein Problem mit der Wasserqualität?

Trinkwasser ist unser wichtigstes Lebensmittel und nach der Atemluft das wichtigste Stoffgemisch. Ohne die in Deutschland nahezu flächendeckende kommunale und industrielle Abwasserentsorgung würde es uns nicht in konstant guter Qualität zur Verfügung stehen. Auch stellt die Abwasserentsorgung in Deutschland einen wichtigen Wirtschaftszweig dar, der sich, mit einem stets hohen Investitionsvolumen ausgestattet, in einem permanenten Modernisierungsprozess befindet. Die Wasserwirtschaft ist ein Beschäftigungsmotor im Bereich des Mittelstandes und des Anlagenbaus und trägt zur Stabilisierung der Arbeitsmarktsituation bei. Maßgeblich trägt sie zu einer Verbesserung des Umwelt- und Naturschutzes bei.

Seit Jahren wird die Abwasserwirtschaft mit der kontinuierlichen Veränderung in den Konzentrationen von Mikroverunreinigungen in Wässern konfrontiert. Bereits jetzt werden in Gewässern die gesetzlich vorgegebenen Umweltqualitätsnormen immer wieder überschritten. Zur Reduzierung der Einträge reichen die derzeit möglichen Vermeidungsmaßnahmen wie Anwendungsbeschränkungen oder -verbote über Stoffrecht, Produktrecht und Verminderung von Emissionen nicht aus. Maßnahmen zur Abwasserbehandlung unterliegen dem gesellschaftlichen Druck, Lösungen finden zu müssen, um langfristig die hohe Wasserqualität bereitstellen zu können. Erfolgversprechend sind eine nachgeschaltete Abwasserbehandlungstechnik oder eine gezieltere Vermeidungsstrategie am Entstehungs- und Eintragsort von Mikroschadstoffen. Hierbei liegt der Fokus auch auf Strategien, um die Mikroschadstoffe in ihrer Gesamtheit (organisch, anorganisch, gelöst, suspendiert), Komplexität (verschiedene Stoffgemische zu unterschiedlichen Zeiten und Mengen) und auch in hohen Konzentrationen (z.B. im industriellen Umfeld oder in Sickerwässern) aus dem Wasser zu entfernen.

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