24.10.2019

Wer schützt uns vor unseren Daten?


Big Brother is watching you
Bild von Pete Linforth auf Pixabay [CC0]
Die kürzlich erschienene Biografie des Whistleblowers Edward Snowden ist wenig überraschend gleich an die Spitze der Sachbuch-Bestsellerliste gestürmt. Allerdings vermisse ich den kollektiven Aufschrei, der sonst schon bei viel nichtigeren Anlässen jede sinnvolle Diskussion unmöglich macht.

Denn unter dem Deckmantel der Terroranschläge vom 11. September wurde eine beispiellose und illegale Überwachungsmaschinerie aufgebaut, die im Bau eines gigantischen Rechenzentrums in Utah gipfelte, wo für jeden Erdbewohner eine Speicherkapazität von mehr als 140 Terabyte vorhanden ist.

Jede Mail, jede SMS, jedes Telefonat und auch dieser Blog-Beitrag wird dort für alle Zeiten gespeichert und kann vielleicht irgendwann gegen mich verwendet werden. In China wird das ganze wenigstens offen praktiziert und man darf als Konsequenz beispielsweise nicht mehr verreisen oder bekommt keine Wohnung, wenn man zu oft über eine rote Ampel geht oder wenn der Hund sein Geschäft an der falschen Stelle verrichtet.

Selbst wenn man in der westlichen Welt das Sammeln von Daten mit der Verhinderung von Anschlägen rechtfertigt, so garantiert niemand, dass diese Daten nicht irgendwann missbraucht werden. Diktaturen nutzen die neuen Möglichkeiten nur zu gerne, um ihr System zu zementieren. Wenn wir heute über die "Stasi" der DDR reden, dann waren deren Mittel im Vergleich dazu lächerlich und die Überwachung von Personen sehr aufwändig. Heute sitzt an jedem Internetknoten eine "Wanze", die mithört.

Edward Snowden bezahlte seine Enthüllungen im Juni 2013 mit dem nahezu kompletten Verlust seines alten Lebens. Heute lebte er als Staatenloser in Moskau. Das einzige, was ihm blieb ist seine damalige Lebensgefährtin, mit der er inzwischen verheiratet ist und die mit ihm in Moskau zusammenlebt.

In seinem Buch beschreibt er die Motivation für sein Handeln in einem Satz: "Ich will nicht in einer Welt leben, in der alles, was ich mache und sage aufgenommen wird." Man erfährt auch, wie er als einfacher Mitarbeiter von NSA und CIA über Jahre hinaus ein solches Wissen aufbauen konnte, das sonst vielleicht nur noch in den Chefetagen der Geheimdienste und im Weißen Haus vorhanden ist: er war Systemadministrator und hat an der Entwicklung von Überwachungssoftware maßgeblich mitgewirkt. So konnte er problemlos und ohne Spuren zu hinterlassen, auf interne Dokumente der höchsten Sicherheitsstufe zugreifen, sie herausschmuggeln und Journalisten zugänglich machen.

Wir haben seitdem schwarz auf weiß, dass unsere durchaus sinnvollen Gesetze und Regeln wie die DSGVO davon eigentlich pervertiert werden, denn einer Speicherung seiner Daten in Utah kann niemand auf diesem Planeten widersprechen. Die Empfehlung Snowdens, nur noch verschlüsselt im Internet zu kommunizieren, wird aktuell dadurch unterlaufen, dass die NSA die großen Konzerne wie Facebook, Google, Microsoft, Apple und Co. dazu drängt, überall in deren Software Hintertüren für ihre Überwachungsprogramme einzubauen. Trotzdem höre ich keinen Aufschrei oder haben wir uns alle schon damit abgefunden, dass wir seit Jahren komplett überwacht werden?

Die Suche nach einem passenden Zitat führte mich zu dem hier schon besprochenen kommentierten? Aphorismus des ehemaligen Google CEO Eric Schmidt und zu folgendem schönen Hinweis des deutschen Schriftstellers Erhard Blank:

Datenschutz sollte beidseitig sein: Unsere Daten zu schützen und uns vor ihnen.
Erhard Blanck (*1942)

Leider dürfen wir von staatlicher Stelle kaum auf Hilfe hoffen und momentan bleibt nur die Nutzung von Verschlüsselungstechnik oder altmodischen Kommunikationsformen wie Briefe zu schreiben oder sich persönlich mit jemandem zu treffen ...

» Permanent Record: Meine Geschichte (Edward Snowden 2019)

» Weltweit führen Regierungen einen Feldzug gegen sichere Kommunikation

Autor: Dr. Torsten Beyer


» Kommentieren