17.10.2019

Das hätte man aber besser machen können!


Lehrer Lämpel
Lehrer Lämpel
(Wilhelm Busch) [CC0]
Gleich nachdem man einen Vortrag beendet oder eine Präsentation gehalten hat und mit dem Ergebnis auch ziemlich zufrieden ist, gibt es gerne mal einen Kollegen, der auf einen zukommt mit den Worten: "Das war ja ganz gut, aber wenn ich du wäre, dann hätte ich dies oder jenes aber so-und-so besser gemacht". Vielleicht trifft Sie der Bessermacher auch in anderen Alltagsituationen: die Auswahl des Jobs, der Schule für die Kinder, die neue Eigentumswohnung oder einfach nur ein neues Möbelstück oder das eben an die Wand gedübelte Regal.

Dinge, die man sich lange und reiflich überlegt hat, die akribisch vorbereitet wurden - kurz, bei denen man sein Bestes gegeben hat und über die man sich jetzt einfach mal freuen möchte, werden mit ein paar Sätzen quasi vernichtet. Anstatt sich über das Erreichte oder Geleistete zu freuen, ärgert man sich mehr oder weniger heimlich über den Bessermacher.

Besonders ärgerlich ist das dann, wenn sich eben diese Person im Vorfeld auffällig zurückgehalten hatte, als es um die Verteilung der Aufgaben oder die Unterstützung bei wichtigen Entscheidungen ging. Der Aphoristiker Fred Ammon trifft mit folgender seiner vielen Weisheiten den Nagel auf den Kopf:
Es gibt Leute, die alles besser machen würden, solange sie es nicht selbst tun müssen.
Fred Ammon (*1930)
Im Unterschied zu den Besserwissern, die fraglos auch zu den anstrengenden und nervenden Zeitgenossen gehören, kann man den Bessermachern nicht so leicht den Wind aus den Segeln nehmen, da sie einen in der Regel ganz persönlich treffen. Das macht die Sache so schwierig. Ob man den Ärger einfach herunter schluckt oder lieber mit den Worten: "Dann mach's doch das nächste Mal gleich selbst und besser!", auf Konfrontationskurs geht, hängt wohl von der jeweiligen Situation ab.

Vielleicht hilft es, sich bewusst zu machen, dass der Bessermacher wahrscheinlich durch seine Art versucht, Anerkennung zu erlangen. Möglicherweise glaubt er sogar, einem etwas Gutes zu tun und übersieht dabei, dass er mit dieser Vermutung ziemlich daneben liegt. Was auch immer der Grund ist; es handelt sich um sein Problem und nicht um meins.

Es ist zugegebener Maßen ausgesprochen schwierig, so zu handeln, aber wenn das gelingt, kann man ihn ausreden lassen, sich bestenfalls ein "Danke für den Tipp" abringen und den restlichen Teil denken...

Autor: Anke Fähnrich


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