19.09.2019

Hammersbald?!


Warten
Bild: Rob Koster
CC-BY-SA 4.0
Na?! Sind Sie über die Aussprache der Überschrift gestolpert oder können Sie vielleicht gar nichts damit anfangen? Nun, übersetzt ins Hochdeutsche heißt dieser nette Ausspruch beispielsweise: "Könnten Sie sich bitte mit dem Kopieren der Tischvorlage beeilen? Das Meeting beginnt bereits in 15 Minuten."

"Hammersbald" (orthographisch und grammatikalisch korrekt: "Haben wir es bald") ist ein häufig gebrauchter Ausspruch der gemeinhin als Hektiker bezeichneten Mitmenschen. Man trifft diese in alle Bereichen des täglichen Lebens. Sie zeichnen sich in erster Linie durch fehlende Geduld aus: Nichts geht schnell genug, alles dauert entschieden zu lang, ganz gleich, wie sehr man sich beeilt, das Gewünschte zu erledigen.

Bereits das dritte Freizeichen in der Telefonleitung bringt den Hektiker in Rage, weil er befürchtet, seine telefonisch zu übermittelnden Informationen nicht schnell genug weitergeben zu können. Eine Warteschlange an der Supermarktkasse führt nicht selten zu ungehaltenen, oft lautstarken Äußerungen der Missbilligung. Besonders unangenehm sind in diesem Zusammenhang auch die beiden blauen Häkchen von "WhatsApp", die dem Absender signalisieren, dass seine Mitteilung vom Empfänger gelesen wurde.

Ist der Absender den Hektikern zuzuordnen, werden nicht selten 2 bis 5 weitere Nachrichten hinterhergeschickt, wenn der Empfänger es wagt, nicht innerhalb weniger Millisekunden nach dem Lesen der Nachricht zu antworten. Glücklicherweise gibt es seit einiger Zeit die Möglichkeit, das Anzeigen der blauen Häkchen auszuschalten. Aber ist es nicht bedenklich, dass es diese Funktion überhaupt geben muss?

Man hat den Eindruck, dass sich immer weniger Menschen in Geduld üben können. Wozu auch, wenn man doch fast alles immer gleich haben kann? Erdbeeren zu jeder Jahreszeit, frische Brötchen rund um die Uhr, Auslieferung von Online-Bestellungen am nächsten Tag, Wissen aus dem WWW im Null-Komma-Nix?

Leider vergisst man dabei leicht, dass sich Geduld auch lohnen kann. Sind doch gut überlegte Handlungen oft nachhaltiger als "Schnellschüsse". Auch das Warten auf eine frisch zubereitete Speise lohnt sich im Vergleich zum Menü im Schnellrestaurant durchaus.

Denken Sie doch mal darüber nach, was genau Sie ungeduldig macht, warum das so ist und ob das wirklich sein muss. Erinnern Sie sich an den berühmten "Marshmallow-Test" und versuchen Sie, der Situation etwas Positives abzugewinnen. Allein damit kann man vielen nervenaufreibenden Situationen oder Geduldsproben den Stressfaktor nehmen - vielleicht finden Sie ja das nächste Mal in der Warteschlange der Supermarktkasse einen netten Gesprächspartner.

Lehnen Sie sich entspannt zurück und denken Sie
Kohle, die Geduld hatte, ist jetzt ein Diamant.
Manfred Hinrich (1926-2015)

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Autor: Anke Fähnrich


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