05.09.2019

Augen auf und durch!


Kopf gegen Wand
Foto: Luftfahrtmagazin "Flight" 1912 [CC0]
Manchmal ist es wie verhext: Man hat sich etwas vorgenommen und es will einfach nicht gelingen. Dabei war alles, so dachten wir, gut überlegt und vorbereitet oder fand eine breite Mehrheit für seine Umsetzung. Dann ist auf einmal doch alles anders, nichts funktioniert wie geplant und man hat keine offensichtliche Möglichkeit, das zu ändern.

Dieses Phänomen lässt sich in vielen Lebensbereichen beobachten. Bereits in jungen Jahren macht man diese Erfahrung, wenn die Eltern einem beispielsweise die anstehende Party total verderben, weil man trotz überzeugender Argumente ("alle anderen dürfen auch") mal wieder viel zu früh abgeholt wird. Das Studium verzögert sich, weil man trotz guter Vorbereitung bei den üblichen 80 Prozent war, die die entscheidende Klausur nicht bestanden haben.

Später im Berufsleben kommt das Forschungsprojekt nicht voran, weil plötzlich die Mittel gekürzt wurden. Im Labor oder Betrieb fehlt es an ausreichend Mitarbeitern, sodass trotz gutem Willen und Überstunden die Arbeit nicht fristgerecht und mit der nötigen Qualität erledigt werden kann. In der Politik ändern sich vielleicht die Mehrheitsverhältnisse, was die Umsetzung geplanter Vorhaben verhindert. Manchmal war der Plan aber auch letztendlich doch nicht so ausgereift wie man dachte und muss einfach noch mal gründlich überarbeitet werden.

Wie dem auch sei, es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit dieser Tatsache umzugehen: Die - nennen wir sie - Trump / Johnson-Methode, die nach dem Motto "ist mir doch egal, was die anderen sagen oder wie viel Porzellan zerschlagen wird, ich will das jetzt!" versucht, ohne Rücksicht auf Verluste das Ziel zu erreichen. Oder die - nennen wir sie - Merkel-Methode, nach der man erst mal schweigt und so lange wartet, bis sich in der öffentlichen Diskussion eine Mehrheitsmeinung gebildet hat oder sich die Gegebenheiten hoffentlich dahingehend ändern, dass man eventuell doch noch sein Ziel erreicht. Beide Methoden haben sicher ihre Vor- und Nachteile. Diese auszuführen und zu diskutieren würde den Rahmen des Blogs aber sprengen.

Einen guten Mittelweg schlägt der Unternehmer Werner von Siemens vor:
Es kommt nicht darauf an, mit dem Kopf gegen die Wand zu rennen, sondern mit den Augen die Tür zu finden.
Werner von Siemens (1816-1892)
Der Vater der modernen Elektrotechnik und Gründer der heutigen Siemens AG verstand es durchaus Türen zu finden: Da seine Eltern ihm kein Studium finanzieren konnten, nahm er den Umweg über die Artillerie- und Ingenieurschule Berlin. Die Zeit einer fünfjährigen Festungshaft, die ihm aufgrund der Teilnahme an einem Duell als Sekundant auferlegt wurde, nutzte er, um ein elektrisches Galvanisierungsverfahren zum Versilbern und Vergolden zu entwickeln. Um zu verhindern, dass deutsche (und natürlich auch seine eigenen) Entwicklungen im Ausland nachgebaut würden, gründete er einen Patentschutzverein, welcher später das noch heute weitgehend gültige Deutsche Patentgesetz durchsetzte.

Seinen Erfolg gründete Siemens dabei nicht auf dem Rücken anderer. Sein soziales Engagement für seine Mitarbeiter der Siemens & Halske AG zeigt sich in der Einführung eines Neun-Stunden-Tages, der die wöchentliche Arbeitszeit von 72 auf 54 Stunden reduzierte. Zusätzlich führte er eine finanzielle Erfolgsbeteiligung auch der einfachen Arbeiter ein und gründete eine Pensions-, Witwen- und Waisenkasse.

Alles in allem kann man sich diesen Herrn, wie ich finde, auf jeden Fall als Vorbild nehmen, wenn man mal wieder kurz davor ist mit dem Kopf durch die Wand zu wollen und stattdessen einfach mal die Augen aufmachen.

» Das Leben von Werner von Siemens als interaktive Story

» kurze Biografie

Autor: Anke Fähnrich


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