29.08.2019

Was sollen wir uns überhaupt noch merken?


Big Data
Quelle: Pixabay [CC0]
Die Hirnforschung geht davon aus, dass wir pro Sekunde 11.000 Reize verarbeiten und davon immerhin noch 40 bewusst wahrnehmen können. Das ergibt jeden Tag eine unglaubliche Zahl von mehr als 34 Millionen Reizen.

Was davon im Kurzzeitgedächtnis gespeichert oder gleich verworfen wird und was es schließlich ins Langzeitgedächtnis schafft, ist sicher individuell sehr unterschiedlich und unter anderem geprägt von den eigenen Vorlieben und Interessen. Es ist aber klar, dass sehr viel davon aus Kapazitätsgründen gar nicht gespeichert werden kann, wie hoch der eigene IQ auch immer sein mag.

Die Forscher schätzen, dass das menschliche Gehirn ungefähr zwei Terabyte Daten speichern kann. Die kleine Sicherungsfestplatte neben meinem PC hat genau diese Kapazität, was doch eine etwas beängstigende Vorstellung ist. Die Kapazität ist nur so gering?

Jeder von uns wird mit all seinen gespeicherten Daten wie Texten, Mails, Fotos und Videos locker ein Vielfaches davon erreichen, und in Firmennetzwerken potenziert sich das ganze nochmal. Wenn man das Internet als Ganzes betrachtet, dann werden die Zahlen unvorstellbar groß:

Man schätzt, dass dort 2,5 Trillionen Bytes an Daten erzeugt werden - und das täglich! Vieles davon wird dauerhaft gespeichert und erzeugt dabei einen gigantischen Stromverbrauch für Clouds, Webserver, Intranets oder private PC, Smartphones etc. und natürlich auch einen immensen Ressourcenverbrauch für die Speichermedien, der in den letzten 10-20 Jahren mit unvorstellbaren Steigerungsraten wächst und wächst. Man fragt sich, wo das alles hinführt.

Die Frage ist nun, was wir uns überhaupt noch merken sollen. Ist es heute noch sinnvoll, in der Schule Geschichtsdaten auswendig zu lernen? Ich denke, es ist wichtig, unser Gehirn in jungen Jahren regelmäßig zu trainieren und lernen zu entscheiden, was man sich merken sollte und was nicht. Viel wichtiger als alles zu wissen ist es, Wissen zu organisieren und bei Bedarf möglichst schnell parat zu haben. Das gilt im Privaten und erst recht auch im beruflichen Alltag.

Der Aliba-Gründer und äußerst erfolgreiche chinesische Internet-Unternehmer Jack Ma hat vorgeschlagen, dass Kinder in der Schule nur noch das lernen sollten, was Maschinen niemals können werden und was sie von diesen unterscheidet, beispielsweise Werte, Überzeugung, unabhängiges Denken, Teamwork und Mitgefühl. Ein radikaler Vorschlag, über den es sich aber durchaus nachzudenken lohnt, um den Herausforderungen der Digitalisierung zukünftig besser begegnen zu können!

In Unternehmen potenziert sich das Problem des Informationsmanagements, weil immer noch viel Wissen ausschließlich in den Köpfen bestimmter Mitarbeiter gespeichert ist. Wenn diese dann kündigen oder in den Ruhestand gehen, muss dieses Wissen oft teuer und mühsam neu aufgebaut werden. Manchmal ist das gar nicht mehr möglich und schädigt das Unternehmen als Ganzes.

Daher ist es heute wichtiger denn je, Informationen zu teilen und für jeden Mitarbeiter verfügbar zu machen, das nützt letztlich allen individuelle und jedem Unternehmen im globalen Wettbewerb. Geschäftsgeheimnisse sind natürlich restriktiver zu behandeln, aber oft geht es gar nicht darum.

Oder wie es die deutsche Lyrikerin und Dichterin Damaris Wieser in einem Satz formuliert hat:

Wenn wir wüssten, was wir wissen, wären wir klüger.
Damaris Wieser (*1977)

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Autor: Dr. Torsten Beyer


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