22.08.2019

PC is watching me


Watching you
Bild von Tumisu auf Pixabay
Manchmal ist es schon recht gruselig: Woher weiß mein Computer, dass ich überlege, nach Holland zu fahren und zeigt mir die besten Hotels in Amsterdam? Oder versorgt mich ungefragt mit Gemüse-Rezepten, weil ich heute Abend vegan lebende Gäste empfange und keine Ahnung habe, was ich kochen könnte?

Bestimmt hat dieses Gefühl schon jeden einmal beschlichen, wenn man - bewusst oder aus Versehen - beliebige Links angeklickt hat und anschließend tagelang mit passenden Werbebotschaften bombardiert wird.
Im Internet findet man mehr, als man sucht.
Fred Ammon (*1930)
fasst der Aphoristiker Fred Ammon dieses Phänomen zusammen.

Natürlich ist eigentlich klar, dass Algorithmen und künstliche Intelligenz unsere Internetbewegungen analysieren, um uns die vermeintlich besten Vorschläge zu unterbreiten, damit wir zukünftig weniger suchen müssen oder schneller finden, was wir brauchen. Das mag ja praktisch gedacht sein, was aber ist, wenn ich mich umfassender informieren will? Bekomme ich dann wirklich die wichtigen Informationen? Oder verschwinden diese auf Seite zwei meiner Google-Suche und sind damit faktisch unsichtbar? Besteht möglicherweise sogar die Gefahr, dass mich Algorithmen manipulieren?

Wirklich wohl fühlt man sich als transparenter, gut durchleuchteter Internetnutzer nicht. Georges Orwells Roman "1984" war für meine Altersgruppe in der Schule Pflichtlektüre und wir haben uns in den 1980er Jahren getreu dem Motto "unsere Daten müsst Ihr raten" vehement gegen die geplante Volkszählung gewehrt. Dies erscheint aus heutiger Sicht fast lächerlich, schaut man sich an, welche Daten damals erhoben werden sollten. Aber auch wenn man den Empfehlungssystemen positiv oder neutral gegenübersteht, fragt man sich doch immer häufiger, was genau man eigentlich nochmal gesucht hatte, das die jetzt angezeigte Bannerwerbung generiert. Gerade bei zweideutigen Begriffen oder persönlichen Themen ist man nicht selten verärgert über das "Angebot" der Pop-ups.

Studierende der Interactive Systems Research Group der Universität Duisburg-Essen haben kürzlich unter der Überschrift "How Can They Know That?" eine Studie verfasst, die sich mit dem schlechten Gefühl befasst, das entsteht, wenn man sich als Internetnutzer ausspioniert vorkommt. Darin beschreiben sie, wie wichtig es beispielsweise für die Akzeptanz eines Produktes oder einer Marke ist, dass der Nutzer weiß, wie und warum die personalisierte Werbung auf seinem Bildschirm erscheint.

Es wäre schön, wenn diese Ergebnisse recht bald in die aktuellen Algorithmen und KI-Systeme integriert werden würden! Damit weiß ich zwar immer noch nicht, wie stark meine heutigen Suchergebnisse von meinen gestrigen beeinflusst sind, aber wenigstens fühle ich mich von meinem PC nicht mehr so (un)heimlich beobachtet ...

» Studie der Universität Duisburg-Essen

» Mehr zur Volkszählung 1987

» Artikel in "DER SPIEGEL" zur Volkszählung (1983)

Autor: Anke Fähnrich


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