08.08.2019

Wozu muss ich das denn wissen?


Bücherwissen
Quelle: Pixabay [CC0]
Diese Frage stellt sich wahrscheinlich seit unzähligen Generationen die Mehrheit aller Schüler und Studierenden - nicht ganz zu Unrecht. Wenn wir ehrlich sind, brauchen wir nur einen verschwindend geringen Teil des mühsam Erlernten im weiteren (Berufs-)Leben.

Die Lerninhalte der Grundschule sind durchaus noch sehr nachhaltig: Lesen, Schreiben und die Grundrechenarten sind auch im späteren Leben unabdingbar. In der weiterführenden Schule sieht das schon etwas anders aus, denkt man an Analysen literarischer Texte, die man seinerzeit weder verstanden, noch bis zum Ende gelesen hatte, an Plusquamperfekt, Trigonometrie, Analysis oder den Zitronensäurezyklus.

Selbst im Studium, das man sich nach seinen persönlichen Interessenschwerpunkten aussucht, wird es nicht besser: Von den ungefähr 1,5 Metern Aktenordnern, die mein Studium mit Skripten, Klausuren, Hausarbeiten und Lernzetteln gefüllt hat, waren tatsächlich geschätzte 10 DIN-A4-Seiten für meine berufliche Laufbahn und Karriere relevant.

Trotzdem ist das kein Grund für Lernende, sich entspannt zurückzulehnen nach dem Motto "sag' ich doch - brauch' ich alles nicht". Aus jeder, auch einer scheinbar sinnlosen, Lerneinheit zieht man seinen Nutzen. Und sei es nur der zu lernen, dass man sich im Leben durchbeißen kann und muss.

Mittlerweile habe ich genügend Jahre auf dem Buckel, um festgestellt zu haben, dass dies einen ausgesprochen nützlichen Lerneffekt für das weitere Leben darstellt. Sowohl das Berufs- als auch das Privatleben sind voller Themen und Situationen, denen man lieber aus dem Weg gehen würde, die man aber meistern muss, um vorwärtszukommen. Gut, wenn man vorher gelernt hat, den Kopf nicht in den Sand zu stecken, sondern die Ärmel hochzukrempeln, die Dinge anzugehen und Probleme zu lösen.

Tatsächlich ist auch anderes, scheinbar in Vergessenheit geratenes und seinerzeit als unnütz oder langweilig abgetanes, Wissen nicht immer umsonst gewesen, sondern hat mich in verschiedenen Situationen des Alltags im richtigen Moment wieder eingeholt. Es ist doch beruhigend, wenn man feststellt, dass man in der Lage ist, auch schwierige Texte so auseinanderzunehmen und analysieren zu können, dass man sie versteht. Dass das logische Denken, das Mathematik und die Naturwissenschaften vermitteln, einem hilft Zusammenhänge zu verstehen, die auf den ersten Blick nicht so ersichtlich sind. Oder dass man die Diskussion zum Klimawandel und anderen Umweltthemen mit bestreiten kann, weil einem das eine oder andere aus dem Chemie- und Biologieunterricht bekannt ist.

Werner Heisenberg, Begründer der Quantenmechanik und Physik-Nobelpreisträger von 1932, bringt es mit einem Zitat auf den Punkt, das vielleicht dem einen oder der anderem Lernenden zu Beginn des neuen Schuljahres oder Semesters als Motivation dienen kann:
Bildung ist das, was übrig bleibt, wenn man alles vergessen hat, was man gelernt hat.
Werner Heisenberg (1901-1976)

» Was man in der Schule fürs Leben lernt

» Warum Kinder nicht nur für die Schule lernen

» Mehr zu Werner Heisenberg

Autor: Anke Fähnrich


» Kommentieren