11.07.2019

Im Vergleich dazu gibt es einen Unterschied


Vergleich
Quelle: PublicDomainPictures [CC0]
Unter naturwissenschaftlichen Aspekten ist ein Vergleich eine klar geregelte Sache: Zwei oder mehr Vergleichsobjekte - beispielsweise Analysenergebnisse oder Messwerte - werden nach definierten Kriterien auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede hin untersucht und beurteilt. Das funktioniert in den meisten Fällen recht objektiv und eindeutig.

In anderen Bereichen ist das Vergleichen deutlich komplexer. Vieles liegt im Auge des Betrachters. Erinnern wir uns an die Schulzeit: Bei der Beurteilung einer Mathe-Arbeit ist klar definiert, was richtig und was falsch ist. Anders sieht es da bei einem Aufsatz oder einer Textanalyse im Deutschunterricht aus. Je nachdem, ob man mit der Lehrkraft auf einer Wellenlänge lag, bekam man eine gute Note - oder eben nicht.

Wir werden im Alltag ständig mit anderen verglichen, vergleichen uns auch selber - bewusst oder unbewusst - und schneiden dabei je nach persönlicher Wahrnehmung besser oder schlechter ab. Allzu gerne vergleicht man dabei auch mal die sprichwörtlichen Äpfel mit Birnen.

Diverse Vergleichsportale gaukeln uns eine objektive Beurteilung von Versicherungen, Reiseveranstaltern oder Stromanbietern vor. Aber auch hier bringt nur ein intensiver Blick ins Kleingedruckte wirklich Aufschluss darüber, wo der direkte Vergleich tatsächlich möglich ist oder wo ein scheinbar günstiger Preis über Fallstricke hinwegtäuscht.

Ein wie ich finde sehr amüsanter Ansatz Dinge zu vergleichen, ist die bereits in den 1970er Jahren von dem US-amerikanischen Entscheidungstheoretiker Ronald A. Howard (Stanford University) entwickelte Maßeinheit "Mikromort". Diese Maßeinheit für Risiko bezeichnet die Wahrscheinlichkeit von eins zu einer Million zu sterben.

Auf dieser Grundlage vergleichen mehr oder weniger ernst zu nehmende Berichte die Wahrscheinlichkeit, aufgrund einer bestimmten Tätigkeit sein Leben zu lassen. Morgens aufstehen, Autofahren oder Gleitschirmfliegen sowie die Benutzung eines Kugelschreibers haben jeweils einen spezifischen Wert für Mikromort. Laut Wikipedia entspricht beispielsweise der Verzehr von 40 Esslöffeln Erdnussbutter 1 Mikromort. Ebenso 6-minütiges Kanufahren oder 15 Jahre lang innerhalb eines 32 km Radius um ein Atomkraftwerk zu leben.

Wenn man sich die Unzulänglichkeit oder gar Absurdität vieler Vergleiche bewusst macht, fällt es einem möglicherweise leichter damit umzugehen, wenn man selbst bei einem Vergleich schlecht abschneidet oder sich ungerecht bewertet fühlt. Getreu dem Aphorismus des Schriftstellers Ulrich Erckenbrecht:
Der Vergleich hinkt, geht aber gerade noch.
Ulrich Erckenbrecht (*1947)

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Autor: Anke Fähnrich


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