06.06.2019

YouTube ist für Jugendliche mehr als eine Spielwiese!


Social Media als Informationsquelle
Quelle: Pixabay [CC0]
Zugegeben, der YouTuber Rezo war mir bis vor zwei Wochen nicht bekannt. Da bin ich aber sicher in guter Gesellschaft vieler Onliner der Generation Ü20.

Ich selbst nutze YouTube bisher eher als Hilfestellung bei Reparaturen, so wie zuletzt beim Austausch der Tastatur an meinem Ultrabook. Ich hätte es ansonsten wohl zum Elektroschrott gegeben müssen, weil so etwas natürlich in keinem Handbuch steht.

Das wiederum passt sehr gut zur Mediennutzung der Generation der 12-19-jährigen, von denen 92 Prozent regelmäßig YouTube nutzen. Knapp die Hälfte davon auch für Schulthemen und als Hilfe bei den Hausaufgaben wie eine aktuelle Studie des Rats für Kulturelle Bildung ergab.

Als kurz vor der Europawahl eine Welle der Empörung wegen eines Videos durch die politische Landschaft und die Medien schwappte, habe ich mir ungefähr die Hälfte des 55-minütigen Videos mit dem Titel "Die Zerstörung der CDU" angesehen und war erst einmal positiv überrascht.

Rezo hat nach eigenen Angaben Informatik studiert und arbeitet in seinem Video mit zahlreichen Videoeinspielern und Zitaten, so wie es ein Wissenschaftler oder Journalist gelernt hat, um seine Thesen zu belegen. Er hat nach eigenen Angaben für das Video gemeinsam mit einem Freund zwei Wochen dafür recherchiert. Aktuell hat es über 14 Millionen Aufrufe, wobei es sicher nicht jeder vollständig gesehen hat. Und die Diskussionen im Bekanntenkreis zeigen, dass es sich inzwischen auch viele ältere Semester angeschaut haben.

Natürlich kann man Rezo ein paar inhaltliche Fehler vorwerfen und eine manchmal vielleicht (entweder manchmal oder vielleicht, nicht beides) einseitige Quellenauswahl. Aber nichts anderes machen Politiker, Lobbyisten und Medien täglich, um ihre Interessen zu verfolgen. Und vielleicht fehlt Rezo auch etwas der Realitätssinn, dass manche Dinge so einfach zu ändern wären. Aber das sind alles Punkte, über die man gerade mit der jüngeren Generation diskutieren soll und auch muss. Doch dazu war bisher niemand ernsthaft bereit.

Der Aufschrei von Politik und Medien ging eher in eine andere Richtung: Da maßt sich ein solcher "Rotzlöffel" an, über Themen wie Klimawandel, Kohleausstieg oder Aufrüstung zu diskutieren, so wie es sicher viele junge Menschen ständig tun und wird alleine deswegen diskreditiert und arrogant von oben herab belehrt. Aussagen wie "das soll man doch den Profis überlassen", das Video sei ja "gar nicht journalistisch recherchiert" oder man "müsse über die Regulierung von Sozialen Medien insbesondere vor Wahlen nachdenken" waren meines Erachtens völlig deplatziert und gingen am eigentlichen Problem vorbei.

Rezo hat für seine Arbeit und den Denkanstoß, der ja offenbar den Nerv von vielen Menschen in Deutschland getroffen hat, eine fundierte und öffentliche Diskussion über seine Forderungen verdient. Die heftigen Reaktionen der Angesprochenen zeigen aber auch, dass er den Finger in zahlreiche offenen Wunden der politischen Klasse gelegt und eindrucksvoll aufgezeigt hat, dass das Internet und speziell die Sozialen Medien für viele ältere Semester immer noch "Neuland" sind.

Der große Helmut Schmidt hätte hier nach seiner aktiven Zeit als Politiker sicher viel souveräner und inhaltlich fundierter reagiert. Von ihm stammt auch das folgende Zitat:

Wer Kritik übelnimmt, hat etwas zu verbergen.
Helmut Schmidt (1918-2015)

» Die Zerstörung der CDU (YouTube Video)

» weitere Zitate von Helmut Schmidt

Autor: Dr. Torsten Beyer


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