22.05.2019

Wer die Wahl hat...


Engstirnigkeit gehört nicht gerade zu den Eigenschaften, mit denen wir uns schmücken möchten. Wahrscheinlich weisen es die meisten sogar weit von sich, engstirnig zu sein. Erstaunlich ist, dass man trotzdem auf so viele Zeitgenossen trifft, die genau so sind.

Die Europawahl steht vor der Tür. Ich finde, bei diesem Thema wird die Engstirnigkeit Vieler besonders schnell entlarvt. Die Gleichgültigkeit / Unwissenheit gegenüber den Vorteilen, die uns die Europäische Union nicht nur wirtschaftlich bringt, und der zunehmende Nationalismus in einigen europäischen Ländern lassen befürchten, dass die anstehenden Wahlen den populistischen europaskeptischen oder -feindlichen Parteien und Gruppierungen viele Wählerstimmen einbringen werden.

Offensichtlich sind die Vorzüge einer Europäischen Union - Reisefreiheit, Freizügigkeit der Arbeitnehmer, freier Warenverkehr, Währungsunion, Wegfall der Roaming-Gebühren, Sicherheit und Frieden, um nur einige mehr oder weniger bedeutende Beispiele zu nennen - für die meisten mittlerweile so selbstverständlich, dass sie aus dem Fokus geraten sind.

Interessanter scheinen dagegen reißerische Nachrichten zu sein: über diverse Einschränkung der persönlichen Lebensbedingungen, die unüberschaubare Flut gefährlicher Flüchtender oder den drohenden Einbruch der Wohlstandsgesellschaft, die von den Medien und vor allem den sozialen Netzwerken gerne verbreitet werden. Und erstaunlicherweise haben gerade die Länder, die in der Vergangenheit finanziell sehr von der EU profitiert haben, besonders europakritische Regierungen, bröckelnde Demokratien und nationalistische Tendenzen.

Da es deutlich einfacher ist, die von Algorithmen vorgeschlagenen, in der Regel tendenziösen Nachrichten und Tweets zu konsumieren, als sich selbst grundlegende Informationen zu beschaffen, wird es auch immer schwieriger, ergebnisoffen und kreativ mit anderen Menschen zu diskutieren. Oft kommt mir in solchen Situationen das dem Mathematiker David Hilbert zugeschriebene Zitat in den Sinn:

Manche Menschen haben einen Gesichtskreis vom Radius Null und nennen ihn ihren Standpunkt.
David Hilbert (1862-1943)
Unbestritten ist: Die europäische Idee ist eine große Baustelle! Es gibt viele Kritikpunkte und Gesetze, die sich nach den Wünschen der Lobbyisten und nicht an der Bevölkerung ausrichten. Aber dennoch ist es meiner Meinung nach wichtig, an einem gemeinsamen Europa festzuhalten und es weiterzuentwickeln. Nicht zuletzt als Antwort auf die Großmächte Russland, USA und China, denen die einzelnen europäischen Staaten nichts entgegenzusetzen haben.

Aktionsbündnisse wie "Pulse of Europe" oder die europaweite Jugendbewegung "Fridays for Future" aber auch die Erfolge des Erasmus+ Programms für Schüler und Studierende lassen hoffen, dass europaweit nicht nur die Protestwähler am 26. Mai zu den Wahlurnen gehen, damit Europa weiterhin von weltoffenen demokratischen Kräften geführt werden kann.

» Was hat die EU gebracht?

» Aktionsbündnis "Pulse of Europe"

» Aktion "Fridays for Future"

Autor: Anke Fähnrich


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