20.12.2018

Grau ist alle Theorie ...


Carl Remigius Fresenius
Carl Remigius Fresenius
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Am 28. Dezember 2018 hätte Carl Remigius Fresenius seinen 200. Geburtstag gefeiert. Zu diesem Anlass fand kürzlich in Wiesbaden am neuen Standort der Hochschule Fresenius ein Festakt statt, zu dem ich auch eingeladen war.

Wenn man bedenkt, wo der Name überall drinsteckt (Hochschule Fresenius, Carl Remigius Medical School, SGS Institut Fresenius, Fresenius Medical Care, Fresenius Kabi , etc.), muss es sich um eine weit verzweigte, sehr naturwissenschaftlich und wirtschaftlich orientierte Familie handeln, von denen mehr als 10 Mitglieder beim Festakt persönlich anwesend waren.

Carl Remigius Fresenius war ein Mann der Praxis. Nach seiner Gymnasialzeit machte er eine Lehre in einer Apotheke, hörte sich parallel Vorlesungen an und richtete im Garten seines Vaters sein erstes Labor ein. Erstaunlich ist, dass er bereits mit 23 Jahren sein grundlegendes Werk "Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse" veröffentlichte - wenn man so will eines der ersten Lehrbücher der analytischen Chemie überhaupt.

Mit 30 Jahren gründete er nach dem Vorbild Justus von Liebig sein chemisches Labor, das heute noch unter dem Namen "SGS Institut Fresenius" als eines der größten nicht-medizinischen Laboratorien aktiv ist.

Aufgrund seiner besonderen pädagogische Begabung prägte er viele Wissenschaftler seiner Zeit und gründete im Jahr 1861 mit der "Fresenius' Zeitschrift für Analytische Chemie" die erste Fachzeitschrift überhaupt für dieses Fachgebiet. Einer seiner berühmtesten Zitate lautet:

Mit dem Wissen muss das Können sich vereinigen.
Carl Remigius Fresenius (1818-1897)

Das führt er in seinem Lehrbuch folgendermaßen aus: "Mit den gründlichsten Kenntnissen ausgerüstet, ist man nicht im Stande zu bestimmen, wie viel Kochsalz in einer Lösung ist, wenn man nicht eine Flüssigkeit aus einem Gefäß in ein anderes gießen kann, ohne dass etwas wegspritzt oder ein Tropfen am Rande des Gefäßes hinabläuft u.s.w. - Die Hand muss sich die Fähigkeit erwerben, die bei quantitativen Analysen vorkommenden Operationen mit Umsicht und Geschick auszuführen, eine Fähigkeit, welche einzig und allein durch praktische Übung erworben werden kann."

Das kann man auch als eine Mahnung an heutige Ausbilder und Hochschulen verstehen, dass die praktische Ausbildung durch keine Computersimulation oder keinen Frontaluntersicht ersetzt werden kann, man muss es praktisch ausführen (können).

Als ich kürzlich meine frühere Universität besuchte, sagte mir ein Ausbilder im analytischen Grundpraktikum, dass man den Studenten in Analysen heute kein Uran oder Thallium mehr ausgibt, da das ja "zu gefährlich sein". Wer soll den Umgang mit gefährlichen Substanzen denn überhaupt noch lernen, wenn nicht die Chemiker? Ich bin mir sicher, Carl Remigius Fresenius würde darüber auch den Kopf schütteln!

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» Historische Stätten der Chemie: Carl Remigius Fresenius

Autor: Dr. Torsten Beyer


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